| FSRK - Campusrundgang |
Eigentlich alle OE-Gruppen werden einen Campusrundgang machen oder, wenn ihr Fachbereich nicht in der Nähe des Campus, ist einen Rundgang in der Umgegend. Wir wollen am Bespiel des Campus ein paar Anregungen geben, wie ein solcher Rundgang unter vielleicht neuen Gesichtspunkten gestaltet werden kann.
Dabei kommt es uns darauf an zu zeigen, das die Uni und das Grindelviertel eine Geschichte hat, die sehr oft eine Geschichte des Widerstandes, studentischen wie gesamtgesellschaftlichen, ist.
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1919, nach der Revolution von 1918 und dem Ausrufen der Republik, beschloss die Bürgerschaft, in Hamburg eine Universität zu errichten. Vorläufer hierzu war das Akademische Gymnasium (1613-1883) und das "Hamburgische Kolonialinstitut" von 1907, das in diesem Gebäude untergebracht war und all das lehrte, was man über die deutsche Kolonien zu wissen hatte.
Der eigentliche Aufbau der Universität begann in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, als nach langen Auseinandersetzungen die Studentenbewegung zum einen die Demokratisierung der Universitäten erreichte: Bestimmten vorher die Professoren alleine die Belange der Universität, so wurden nun die Gremien eingerichtet, die wir auch heute noch kennen: Akademischer Senat, Konzil (heute Großer Senat), Fachbereichs- und Institutsräte. Zum anderen standen die Universitäten nicht mehr nur einer zahlungskräftigen Elite offen, sondern es wurden Zugangsregelungen und finanzielle Absicherungen wie das BAFöG geschaffen, die es mehr Menschen ermöglichten ein Studium zu absolvieren. Hamburg war ein Zentrum des Widerstandes gegen die verkrusteten undemokratischen Strukturen. Berühmt wurde das Bild mit dem Spruchband "Unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren", das 1967 bei einer Rektorats-Feierlichkeit im Audimax entstand.
Neben dem Hauptgebäude standen seit 1926 bzw. 1935 die Denkmäler des "Afrikaforschers" Hermann von Wissmann und des Kolonialoffiziers Hans Dominik. Nachdem das Studierendenparlament am 31. Oktober 1968 beschlossen hatte, die Denkmäler zu stürzen, da sie "eine ungeheuerliche Provokation für jeden Afrikaner" und "das versinnbildlichte Ideal vom europäischen Herrenmenschen" darstellen würden, schritt man sofort zur Tat und riss die Denkmäler vom Sockel.
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Neben dem Hauptgebäude stehen die beiden sogenannten Flügelbauten. Sie wurden in den letzten Jahren erbaut. Um sie gab es viele Auseinandersetzungen, da sie von Helmuth Greve gespendet wurden, einem Hamburger Bauunternehmer. Der Streit zwischen Gegnern und Befürwortern drehte sich um die Frage des Sponsorings von Universitäten. Denn durch seine Spende sicherte sich Greve Einfluss auf die Universität. So bestimmte er, welche Fachbereiche in die Bauten ziehen sollten, und was dort nicht geschehen sollte: Zum Kritik am Sponsoring und dem Einfluss der Wirtschaft auf Bildung und Wissenschaft. So wurden kritische Studierende - unter anderem die FSRK und der FSR Jura, der im Flügel beheimatet ist, bei der Eröffnung mittels Polizei und Absperrgittern an einer Teilnahme und an jeder Art der Kritik gehindert. Man wollte eben eine schöne, gemütliche Feier.
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Die Moorweide hat eine bewegte Geschichte. In der Zeit der Weimarer Republik war sie Auftaktort für die 1.Mai Kundgebungen der Hamburger Arbeiterbewegung. Unter den Nazis wurde sie Aufmarschort für NSKundgebungen wie auch Mai-Kundgebungen oder auch die Ehrung der Legion Condor, die in Spanien für die Franco-Faschisten gekämpft hatte und zum Beispiel des vernichtende Bombardement von Guernica durchführte.
Ein Teil der Moorweide, die sogenannte Kleine Moorweide (neben dem West-Flügel), ist heute der Platz der jüdischen Deportierten. Hier wird daran erinnert daran, dass hier in der Nazi-Zeit mindestens 3.200 jüdische BürgerInnen in die Vernichtungslager transportiert wurden.
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Gegenüber der Stabi war ein Wohnort (Grindelallee 1) Carl von Ossietzkys (1889-1938). Er wohnte den Großteil seines Lebens in Hamburg und begann hier auch seine Laufbahn als Publizist und Schriftsteller. Er war seit 1927 verantwortlicher Redakteur der "Weltbühne", einer Zeitschrift für Politik und Kultur in der u.a. Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Anna Seghers schrieben. Diese Tätigkeit brachte ihm 1931 wegen "Landesverrats" 18 Monate Gefängnis ein, weil er vor der - öffentlich bekannten - Wiederaufrüstung warnte. Nach dem Reichstagsbrand 1933 wurde Carl von Ossietzky verhaftet. 1935 erhielt er den Friedensnobelpreis, den er aber nichts selbst in Empfang nehmen konnte, da er von den Nazis eingekerkert wa . Am 4. Mai 1938 starb Carl von Ossietzky im Moor-KZ in der Nähe Oldenburgs, in das er nach seiner Verhaftung gebacht worden war.
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Das Audimax wurde 1959 erbaut. Erbaut wurde es als neues Zentrum der "universitas litterarum", der Gesamtheit der Wissenschaft. Von Anfang an bot das Audimax auch zahlreichen außeruniversitären Veranstaltungen Platz. Ebenso programmatisch wie die Funktion des Gebäudes war auch seine Gestaltung. Vielen kommt heute das Audimax unansehnlich vor. Aber die Architektur versinnbildlicht die demonstrative Abkehr von der Tradition, ist sozusagen eine fortschrittliche Bauform: Denn die konstruktive Logik der Formfindung, deren Raumbildung eher Naturgesetzen der Statik als belasteten historischen Vorlagen oder verdächtigen gesellschaftlichen Konventionen zu folgen schienen, konnte einer vom Neuanfang im Nachkriegsdeutschland überzeugten Generation leicht zum erfolgversprechenden Leitbild geraten. In der avantgardistischen Architektur des Audimax wurde also vorweggenommen, was in den 70ern eintraf: Die Abkehr von überholten, verkrusteten und undemokratischen Universitätstrukturen hin zu einer offenen, demokratischen Universität. Im Foyer des Audimaxes ist seit 1971 eine Gedenkplatte eingelassen, die an der Widerstand des Hamburger Zweiges der Weißen Rose in der NS-Zeit erinnert.
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Das Grindelviertel war bis in die 40er Jahre des letzten Jahrhunderts ein Zentrum jüdischen Lebens in Hamburg. Davon zeugt heute noch viel: Joseph-Carlebach-Platz Auf diesem Platz stand die Synagoge des Viertels. Am 9. November 1938, der Reichspogromnacht, wurden die Fenster und Einrichtung der Synagoge zerstört und am 12. November noch einmal Feuer gelegt. Am 30. März 1939 musste der jüdische Religionsverband seine "Einwilligung" zum Abriss der Synagoge geben. Auf dem Platz ist heute der Grundriss der Synagoge zu sehen.
Benannt ist er nach Joseph Carlebach, dem 1942 in Riga ermordeten Hamburger Oberrabbiner.
Neben dem Joseph-Carlebach-Platz, im Gebäude der Hochschule für angewandte Wissenschaft (ehem. Fachhochschule), war die alte Talmud-Thora-Schule, die zu den bedeutendsten Deutschlands gehörte. Sie musste 1939 schließen.
Dieser Platz vor dem Abaton ist im Gedenken an Salvador Allende, den demokratisch gewählten Präsidenten Chiles benannt worden, der am 11. September 1973 bei einem Putsch von Militär und CIA ermordet wurde. Nach dem Putsch folgte das Terrorregime Pinochets.
In diesem Gebäude von 1908 war die Firma Schlüter, ein Fuhrunternehmen beheimatet. Nach dem Konkurs in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts kaufte der Senat das Gebäude und richtete dort die Philosophische Fakultät ein, deren Rektor Ernst Cassirer war. Er war der einzige Rektor im Deutschen Reich, der sich zum Judentum bekannte. Seine Einsetzungsfeier wurde von Studenten aus diesem Grund boykottiert. Er emigrierte über England in die USA. Nach ihm ist im Uni-Hauptgebäude der große Hörsaal benannt worden.