dokumentiert: Aufruf zur Demo am 07.02.2004

Aufruf zur Nord-Demonstration am 7. Februar 2004 in Hamburg:

"Wissen verbindet"

Ob Praxisgebühren, Studiengebühren für Langzeitstudierende, die Privatisierung der Berufsschulen, der Ausverkauf staatlicher Krankenhäuser, Kitagebühren oder Kriterien, die regeln, dass ein Langzeitarbeitsloser bald jede Arbeit als zumutbar empfinden soll: Es ist die gleiche Logik, die dahintersteht.

Es ist eine Logik der Verwertungsorientierung, die blind ist für die Probleme unserer Gesellschaft. Es wird nicht nach Sinn und Nutzen von Gesellschaft und Umwelt gefragt, sondern diese sollen allein nach Effizienzkriterien innerhalb marktwirtschaftlicher Strukturen ausrichtet sein.

Währenddessen ist in der öffentlichen Debatte zunehmend der Begriff der „Chancengleichheit“ im Spiel. Er dient als Legitimationsfigur für soziale Ungleichheit und für Staats- und Sozialabbau. Sowohl im Bereich der Bildungspolitik als auch in der Sozialpolitik soll suggeriert werden, dass der Staat „gleiche Chancen“ für alle garantiere und soziale Unterschiede letztlich nur auf Leistungsunterschieden oder der Bereitschaft zu persönlichem Einsatz beruhe. Soziale Ungleichheit wäre dann gerechtfertigt, wobei die auf dem Markt wirkenden Ein- und Ausschlussmechanismen jedoch nicht in Betracht gezogen werden.

Wer nicht in dieses Raster eines zu Verwertung bereiten oder zu Verwertung fähigen Menschen passt, fällt aus dem staatlichen Verantwortungsbereich heraus. Dies spiegelt sich auch in der Umbenennung des Menschen in Humankapital wider. In einem überparteilichen Konsens der etablierten Parteien werden die öffentlichen Haushalte auf dem Rücken der Sozialschwachen saniert. Öffentliche Einrichtungen werden kaputt gespart und anschließend dem Ausverkauf und damit der Profitorientierung preisgegeben.

Diese im Zuge der Standortpolitik verschärfte Ökonomisierung aller gesellschaftlichen Bereiche wird auch im bereits stattfindenden Umbau der Hochschullandschaft spürbar.

Der Staat zieht sich aus seiner Verantwortung zurück.

Durch einen Sockelbetrag, sei es für das Gehalt der Lehrenden oder der Finanzierung der einzelnen Fachbereiche, wird nur noch der Notbetrieb gewährleistet. Alles weitere soll sich durch das Prinzip der Konkurrenz regeln. Die Konkurrenz um Drittmittelförderung und die Konkurrenz um die dann zahlenden „Studierenden- Kunden“ soll den Normalbetrieb sichern. Es ist abzusehen, dass Grundlagenforschung und kritische Wissenschaft bei dem Spiel der freien, wirtschaftlichen Verwertung von Bildung nur noch ein Klotz am Bein sein werden.

Doch Wissen soll allen Menschen dienen, und es soll die Lebensgrundlage aller verbessern. Wissen verbindet - Wissen beseitigt Vorurteile, Wissen baut Ängste ab. Wissen schafft Vertrauen und baut Brücken. Es ist diese Bedeutung von Wissen, die wir der um sich greifenden Ökonomisierung aller gesellschaftlichen Bereiche entgegensetzen wollen. Und es ist das Wissen um diese Ursachen, das uns zusammenbringt.

Die zentrale Demo beginnt um 13:00 Uhr an der Universität Hamburg (U Dammtor) und bewegt sich über den Glockengießerwall (15:00, Hauptbahnhof) und den Axel-Springer-Platz (16:00) zurück zur Universität Hamburg (17:00).

Wir bitten sie, diesen Aufruf zu unterstützen.

Fredrik Dehnerdt (i.A.) Streikzentrale der Universität Hamburg, AStA-Gebäude Raum 0029, Telefon: 450 204 - 32, www.allefueralle-hh.de.vu, mail: Norddemo@gmx.net


Demoroute

Beginn 13:00 Universität Hamburg - Allende-Platz - Grindelhof - Grindelalle - Edmund-Siemers-Allee (Bahnhof Dammtor) - Dammtordamm - Esplanade - Lombartsbrücke - Glockengießerwall

15:00 Zwischenkundgebung vor der Kunsthalle (Hauptbahnhof) - Steintorwall - Mönckebergstrasse (U Rathaus) - Gr. Johannisstraße - Großer Burstah - Graskeller - Stadthausbrücke

16:00 Zwischenkundgebung Axel-Springer-Platz - Fuhlentwiete - Caffemacherreihe - Valentinskamp ( U Gänsemarkt) - Dammtorstrasse - Dammtordamm - Edmund-Siemers-Allee (Bahnhof Dammtor) - Grindelalle - Grindelhof - Allende-Platz

17:00 Abschlusskundgebung Universität Hamburg


Rednerliste

Auftaktkundgebung (13:00 - 14:00, Unicampus)

Erste Zwischenkundgebung (15:00, Kunsthalle/HBF)

Zweite Zwischenkundgebung (16:00, Axel-Springer-Platz)

Abschlusskundgebung (17:00, Unicampus)

sowie Beiträge der Universitäten Berlin, Bremen, Göttingen, Braunschweig (Landesastenkonferenz Niedersachsen (LAK))


Unterstützerliste

die SchülerInnenkammer solidarisiert sich mit unserem Aufruf