Presse: FR vom 05.02.2003

Kommission verlangt Opfer von Hochschulen

Zu einer umfassenden "Strukturreform" der Hochschulen in Hamburg mit ihren 60 000 Studierenden rät eine Experten-Kommission unter Leitung von Ex-Bürgermeister Klaus von Dohnanyi. Die Gutachter sollten Antworten geben, wie man auf finanzielle Unterausstattung, lange Studienzeiten, hohe Abbrecherquoten, ein kleinteiliges Fächerangebot und zu wenig Interdisziplinarität reagieren kann.

Seine Kommission wolle wirkliche Veränderungen, unterstrich der Sozialdemokrat Dohnanyi bei der Vorstellung des 120seitigen Berichts. Er setzt auf Reformanstrengungen in den Hochschulen sowie auf den Gestaltungswillen des Senats aus CDU/FDP und Schillpartei.

Die Kommission legt einen Mix aus guten Wünschen und Umbauvorschlägen vor: Das Bachelor-/Master-Studiensystem soll flächendeckend eingeführt werden, die Betreuung während des Grundstudiums soll deutlich verstärkt werden - durch erhöhte Lehrbudgets und differenzierte Lehrverpflichtungen für die Professoren. Schließlich soll die jährliche Absolventenzahl erhöht (von 3 000 auf 6 500 Studierende) und die Abbrecherquote (derzeit durchschnittlich 50 Prozent) gesenkt werden.

Der deutliche Mehraufwand für die Umstellung auf Bachelor-/Master-Studiengänge könnte laut Gutachter durch den limitierten Zugang zum weiterführenden Master-Studium aufgefangen werden: Nur 50 Prozent der Studierenden soll dieser Abschluss offen stehen. Studienangebote sollen durch Kooperation zwischen Hochschulen konzentriert werden. Von der Universität Hamburg wird mehr "Beweglichkeit" erwartet - durch Gründung mehrerer Schools. All diese Pläne müssten ohne zusätzliche Ressourcen umgesetzt werden.

Im Detail lautet ein Vorschlag, eine Karl Schiller School of Economics zu gründen, in der Studiengänge der Universität sowie die bislang selbständige Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik aufgehen würden.

An anderen Stellen soll massiv umgeschichtet werden: Die Geistes-, Kultur- und Sprachwissenschaften mit ihren blamablen Studienerfolgsquoten von 30 Prozent sollen ein Viertel ihrer derzeitigen Studienanfängerplätze und die Hälfte ihrer Studiengänge streichen. Die Absolventenzahlen in den Ingenieur-, Natur-, Erziehungs- und Wirtschaftswissenschaften sollen wachsen, diejenigen in Architektur, Kunst und Musik, den Sozialwissenschaften, den Geistes-, Kultur- und Sprachwissenschaften sowie den Rechtswissenschaften hingegen schrumpfen.

Bei der Neuausrichtung von Fächern orientieren sich die Kommissionsempfehlungen an den Schwerpunkten des Senats: Hightech-Medizin, Medienwirtschaft, Handel mit China stehen hoch im Kurs.

frha