| Presse: HA vom 25.04.2002 |
Hamburgs Studentenvertreter wittern ein "verschwörerisches Vorgehen", und auch in einzelnen Fachbereichen der Uni Hamburg, wie Philosophie und Geschichte, regt sich Widerstand. Auslöser ist ein als "Letter of Intent" bezeichneter Brief, den Wissenschaftssenator Jörg Dräger (parteilos) an die Chefs der staatlichen Hochschulen verschickt hat und dessen Inhalt eigentlich nicht an die Öffentlichkeit dringen sollte. Darin fordert der Senator die Hochschulchefs auf, den "Zukunftspakt Qualität und Innovation" zu unterstützen. Die Studentenvertreter sehen die Selbstverwaltungsorgane der Hochschule übergangen.
Hintergrund des Briefes ist der von Hochschulpräsidenten und Senator kürzlich getroffene Beschluss, eine Kommission von sechs bis elf unabhängigen Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft damit zu beauftragen, die Hochschulen auf ihre Zukunftsfähigkeit zu überprüfen. Auch die Schließung ganzer Fachbereiche oder sogar von Hochschulen soll bei dem Strukturplan kein Tabu sein. Das Ziel: das zur Verfügung stehende Geld, rund 700 Millionen Euro im Jahr, möglichst sinnvoll einzusetzen.
Und mehr Geld wird es wegen der angespannten Haushaltslage auch in absehbarer Zukunft nicht geben, das ist allen Beteiligten klar. Die Aufregung über den Versuch des Senators, die Hochschulchefs auf persönliche Unterstützung zu verpflichten, ist jedoch nicht bis in die Leitungsebene gedrungen. Für Uni-Vizepräsident Holger Weidner ist der Brief ein "Diskussionsentwurf" und ein berechtigter Versuch, die Ernsthaftigkeit des Gutachtens zu unterstreichen. TU-Präsident Prof. Christian Nedeß sieht "kein unmoralisches Angebot". Alle wissen: Über die Zukunft der Hochschulen entscheidet am Ende doch die Politik.
cri