| Presse: HA vom 10.02.2003 |
Präsident der Hochschulrektorenkonferenz lobt Expertenkommission.
Bei der Modernisierung seiner Hochschulen ist Hamburg nach Ansicht des Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Klaus Landfried, auf dem richtigen Weg. Das Ende Januar vorgelegte Reformkonzept einer Expertenkommission um den früheren Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi enthalte zahlreiche seit Jahrzehnten von der HRK geforderten Maßnahmen, sagte Landfried. Besonders sei die in Hamburg angestrebte konsequente Wiedereinführung der "alten deutschen Hochschulgrade Baccalaureus und Magister" schon lange überfällig. Dabei sollen die Studenten in den ersten sechs bis acht Semestern zum Einstieg in den Beruf außerhalb der Wissenschaften qualifiziert werden, und nur ein Teil soll die wissenschaftliche Laufbahn weiter verfolgen können.
"In Zeiten, in denen 30 bis 40 Prozent eines Jahrgangs studieren, ist eine stärkere Berufsorientierung zwingend", sagte Landfried. Allerdings dürfe es keine starre Festlegung darauf geben, der Hälfte der Studenten nach dem Bachelor ein weiterführendes Studium zu ermöglichen. Dies müsse von den Bedürfnissen in den einzelnen Fächern abhängig gemacht werden. "Das dürfen schon mal 60 bis 65 Prozent sein, allerdings keine 100." Zudem sollte nach Ansicht des HRK-Präsidenten besonders begabten Studenten ermöglicht werden, nach dem Bachelor-Abschluss gleich in einen Graduiertenkurs zu gehen.
Gleichzeitig warnte Landfried vor einer Vernachlässigung der Geisteswissenschaften. "Auch hier muss sich die Ausbildung ändern, denn zunehmend mehr Geisteswissenschaftler werden außerhalb der Wissenschaft beschäftigt. Aber noch immer sind viele Studenten nicht zu einer Tätigkeit außerhalb eines Seminars der Germanistik oder Orientalistik in der Lage."
Positiv bewertete der HRK-Präsident den Baustein des Dohnanyi-Konzepts, hochschulübergreifend Studiengänge anzubieten und die Kapazitäten in "schools" zu bündeln. Er bezweifelte aber, dass das System ohne mehr Geld modernisiert werden kann, wie von Dohnanyi geplant. "Die Länder müssten für ihre Zukunftswerkstätten etwas mehr tun", sagte Landfried.
dpa