| Presse: MOPO vom 25.04.2002 |
Von Sandra Schäfer
HWP-Präsidentin Bittscheidt wirft Universitäts-Chef Lüthje Übernahmegelüste vor
Seit Jahren stehen Hamburgs Hochschulen unter Spardiktat. Unter Wissenschaftssenator Jörg Dräger (parteilos) geht jetzt das Hauen und Stechen zwischen den Häusern los. Dorothee Bittscheidt, Präsidentin der Hochschule für Wirtschaft und Politik (HWP) wirft Universitäts-Chef Jürgen Lüthje vor, er wolle die HWP schlucken und betreibe Mobbing. Ihre Kampfansage in einer HWP-Vollversammlung: "Wir werden den Übernahmegelüs-ten der Uni mit einer Offensive antworten."
Die Wogen schlagen hoch, die Gerüchteküche kocht: Mit seinem streng vertraulichen "Letter of Intent" (Absichtserklärung) an die sechs Hochschulpräsidenten (MOPO berichtete) hat Jörg Dräger für Aufregung gesorgt. Der Inhalt: Eine unabhängige Experten-Kommission soll bereits ab Mai die Hamburger Hochschullandschaft unter die Lupe nehmen und Vorschläge für eine grundlegende Umstrukturierung machen. Der Knackpunkt: Die Hochschulpräsidenten sollen sich in diesem "Zukunftspakt" pauschal verpflichten, die Ergebnisse der Kommission gegenüber ihren Häusern zu vertreten und aktiv umzusetzen - egal wie sie lauten. Nur dann könne die Hochschulfinanzierung auf derzeitigem Niveau für die nächsten drei Jahre zugesichert werden. Die Studentenvertretungen laufen gegen diesen "Knebelvertrag" Sturm. Der Letter of Intent enthält eine Menge Sprengstoff, denn bei den tiefgreifenden Neuerungen steht die Schließung von Studiengängen und Fachbereichen zur Debatte - um Schwerpunkte zu setzen und kostensparend gleiche Angebote der Hochschulen zu reduzieren. Hartnäckige Gerüchte halten sich, dass sogar die Existenz der Hochschule für Wirtschaft und Politik zur Disposition steht.
In einer solchen Situation ist es kein Wunder, dass sich gestern zur HWP-Vollversammlung 600 der 2400 Studenten auf dem Campus einfanden. In ungewohnter Einigkeit wurde eine Resolution verabschiedet, die Drägers Absichtserklärung klar ablehnt. HWP-Präsidentin Dorothee Bittscheidt versicherte, dass sie Drägers Papier nicht unterschreiben werde, solange er einen Diskussionsprozess über die Kommissions-Ergebnisse an den Hochschulen nicht vorsehe.
Bittscheidt fuhr scharfe Geschütze gegen den Senator auf: "Die Hamburger Hochschulen sollen in verschärfte Konkurrenz zueinander geschickt werden. Tendenzen davon gab es bereits, jetzt will die Behörde als Moderator diese Konkurrenz fördern." Mit Erfolg: So versuche Uni-Präsident Jürgen Lüthje laut Bittscheidt, die HWP zu schlucken. "Der Uni-Präsident macht geltend, dass die Uni verarmt und daher gleiche Angebote anderer Hochschulen im Bereich Wirtschaft und Jura abgebaut werden sollten." Dabei ist laut Bittscheidt die Leistung der HWP so überzeugend, dass - wenn überhaupt - dann eher an der Uni Kapazitäten abgebaut werden müssten.
"Der Verdacht, wir wollten die HWP schlucken, ist abwegig", so Uni-Sprecher Peter Wiegand. Die Universität teilt die HWP-Kritik am Letter of Intent nicht. "Wir unterschreiben ja hier nichts bedingungslos, sondern erhalten vom Senator die Zusage, dass dafür die nächsten drei Jahre keine finanziellen Kürzungen mehr vorgenommen werden."
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