| Presse: MOPO vom 05.02.2003 |
Sandra Schäfer
Der Uni-Präsident Jürgen Lüthje zu den Vorschlägen der Hochschul-Kommission
Die Empfehlungen der Hochschul-Kommission zur Umgestaltung des Universitäts-Standorts Hamburg sorgen für heftige Diskussionen - bisher allerdings noch stark hinter den Kulissen. Die MOPO sprach mit Universitäts-Präsident Jürgen Lüthje über seine Bewertung des Kommissionsberichts.
MOPO: Was sagt Ihnen am Bericht besonders zu?
Lüthje: Ich bin ausgesprochen einverstanden damit, dass eine intensivere Betreuung der Studierenden im Mittelpunkt der Überlegungen steht.
MOPO: Sagt der Bericht etwas über die Realisierung aus?
Lüthje: Die Rechenmodelle der Kommission haben wir noch nicht nachvollziehen können, weil sie der Universität noch nicht vorgelegt wurden. Wie diese Überlegungen konkretisiert und finanziert werden können, müssen wir zusammen mit der Behörde ausführlich beraten.
MOPO: Klaus von Dohnanyi sagt, dass die Unterfinanzierung der Universität durch die geplante Umstrukturierung aufgehoben ist.
Lüthje: Das können wir noch nicht abschätzen. Die Kommission geht davon aus, dass im Jahr 2012 ein zusätzlicher Finanzbedarf von drei Millionen Euro zu decken ist. Die Unterfinanzierung bis dahin ist aber erheblich größer. Bisher liegt sie bei einem Drei- bis Vierfachen dieses Betrages. Wie man diese Überleitung gestalten kann, dazu befinden sich in dem Gutachten keine Aussagen. Das wird eines der zentralen Probleme unserer Gespräche mit der Behörde.
MOPO: Sie haben sich immer dafür ausgesprochen, dass Hamburg eher zu wenig als zu viel Studienplätze bietet. Jetzt wird aber doch auf Reduzierung gesetzt. Ist das sinnvoll?
Lüthje: Die Kommission stellt interessante Überlegungen an, indem sie nach Absolventenzahlen geht, nicht nach Studienanfängern. Das ist eine sinnvolle Sichtweise, denn nur wenn weniger Studierende als bisher zugelassen werden, ist eine bessere Betreuung und eine Steigerung der Absolventenzahlen überhaupt möglich.
MOPO: Die Universität soll bei den Geistes-, Sprach,- und Kulturwissenschaften 50 Prozent des Fächerangebots reduzieren und 25 Prozent weniger Erstsemester zulassen.
Lüthje: Ich bin überzeugt, dass hier die Kommission zu kurz greift. Gerade die Vielfalt an Sprachen und das geistes- und kulturwissenschaftliche Fächerangebot der Universität stellt einen für die Stadt besonders wichtigen Faktor dar. Wir sollten die größtmögliche Vielfalt erhalten.
MOPO: Warum?
Lüthje: Wenn man sich vor Augen hält, dass Hamburg eine Kultur- und Medienmetropole ist, so muss es nicht nur die Techniker geben, die die Medien betreiben können. Es müssen auch Inhalte vermittelt werden, und die kommen von Geistes-, Kultur- und Sprachwissenschaftlern. Eine Medien- und Kulturmetropole darf auf keinen Fall diesen Reichtum in unvertretbarer Weise beschneiden. Wir müssen noch einmal in eine sehr sorgfältige Diskussion eintreten, welches die wirklichen Standortinteressen Hamburgs sind.
MOPO: Sagt der Bericht genug über die Forschung aus?
Lüthje: Zweifelsfrei nicht. Die Kommission hat sich offenbar auf die Studien- und Lehrbedingungen konzentriert. Wir werden sehr darauf achten müssen, dass unsere Exzellenzzentren in der Forschung in Zukunft nicht geschwächt, sondern gestärkt und ausgebaut werden. In der Tendenz empfiehlt die Kommission das auch, aber insgesamt ist die Forschung im Bericht unterrepräsentiert.