| Presse: sz vom 04.02.2003 |
Anstöße für Hamburgs Hochschulen
Es mag an der Nähe Hamburgs zum Wasser liegen, weshalb dort immer wieder Meeresgetier für die Hochschulpolitik herhalten muss. 2002 nahm der AStA der Uni Goldfische als Geiseln, um das neue Hochschulgesetz zu Fall zu bringen. Nun servierte ein Studentenvertreter den beiden Vorsitzenden einer Expertenkommission stinkende Fischköpfe, und an Hamburgs Hochschulen wird es wohl nicht wenige geben, die in der 122-Seiten-Expertise der Experten am liebsten toten Fisch einwickeln würden.
Wenn der Senat umsetzt, was der Bericht zur Strukturreform der Hochschulen fordert - und der parteilose Wissenschaftssenator Jörg Dräger scheint dazu entschlossen - ,dann steht wahrhaft Revolutionäres bevor: Hochschulinstitute sollen aufgelöst und in Sektionen zusammengelegt werden. Studienangebote an verschiedenen Hochschulen, wie etwa Architektur, sollen an einem Standort konzentriert werden. Bachelor- und Masterstudiengänge sollen zum Regelangebot werden. Die staatliche Finanzierung soll sich nicht mehr nach der Zahl der Studienplätze richten, sondern nach der der Absolventen. „Wir wollen die Studienerfolgsquote erhöhen, durch ein strukturierteres Studium und eine bessere Betreuung", sagte der ehemalige Erste Bürgermeister Klaus von Dohnanyi, einer der Kommissionsvorsitzenden. Deshalb sollen sich die Hochschulen auch so viele Studenten wie möglich selbst aussuchen können. Anders als öffentlich behauptet, sprechen sich die Experten in dem Bericht auch für Studiengebühren aus.
Da all dies mit dem bestehenden Budget umgesetzt werden müssen, soll zwischen Studiengängen umgeschichtet werden. Schwerpunkte sollen in den Ingenieur- und Naturwissenschaften, aber auch bei der Lehrerbildung gesetzt werden. Verlierer sind die Geistes- und Sozialwissenschaften; hier soll die Hälfte aller Studiengänge gestrichen werden, vor allem kleinere Fächer werden geopfert. Bis 2012 würden so mehrere hundert Studienplätze wegfallen.
Marion Schmidt