Doktoranden
Martelli, Bettina Leitlinien einer Methodik zur Validierung und zum Vergleich von kognitions-wissenschaftlichen Modellen am Beispiel der Helligkeitswahrnehmung
Kollegsprojekt
Ausgangspunkt meines Promotionsvorhabens war die kritische Analyse eines existierenden Modells der frühen visuellen Wahrnehmung, insbesondere der Helligkeitswahrnehmung (Grossberg & Todorovic 1988), im Rahmen der FACADE-Theorie. Die Ausgangs-fragestellung zielte auf eine Erweiterung des Modells ab, um auch aktuelle Phänomene der Helligkeitswahrnehmung zu erklären. Nach der Einarbeitungsphase war aus der vergleichenden Stand-der-Kunst-Analyse ersichtlich, daß es auch in diesem Bereich noch einen erheblichen Mangel an allgemeinen Kriterien für die Validierung und den Vergleich der Vielzahl von konkurrierenden Modellen bzgl. des gleichen Phänomenbereiches gibt. Dies führt u. a. dazu, daß die alternativen Modelle relativ bezuglos zueinander bleiben und nur beschränkt wissenschaftlich-vergleichende Aussagen bzgl. der Beschreibungs- und Erklärungskraft möglich sind. Daher wurde dieses Problem in den Vordergrund der eigenen Forschung gerückt.
Anknüpfend an die Theorie der Modellbildung und Simulation (Bossel 1987) wird im theoretischen Teil meiner Arbeit eine Methodik für die Validierung und den Vergleich von kognitionswissenschaftlichen Modellen entwickelt. Die vier Bosselschen Gültigkeitskriterien, d.h. Strukturgültigkeit, Verhaltensgültigkeit, empirische Gültigkeit und Anwendungsgültigkeit, werden für den interdisziplinären Bereich der Kognitionswissenschaft neu definiert, so daß jedes Kriterium mit einem bestimmten disziplinären Aspekt des Untersuchungsgegenstandes in Bezug tritt: die Strukturgültigkeit mit dem neurobiologischen, die Verhaltensgültigkeit mit dem phänomenologischen, die empirische Gültigkeit mit dem wahrnehmungspsychologischen bzw. dem psychophysischen, die Anwendungsgültigkeit mit dem erkenntnistheoretischen Aspekt. Die Anwendung eines jeden Kriteriums bei der Validierung sowie beim Vergleich von Modellen wird dann im Detail ausgearbeitet.
Diesem allgemeinen theoretischen Teil folgt ein spezieller theoretischer Teil, in dem für eine bestimmte Klasse von Modellen, die in der Kognitionswissenschaft oft vorkommen, d.h. die Modelle, die aus einer Folge von Verarbeitungsstufen bestehen, die scharfe Trennung zwischen Struktur- und Verhaltensgültigkeit aufgelockert wird, um die Struktur des Gesamtmodells durch eine Validierung des Verhaltens der Teile, bezogen auf das Gesamtverhalten, zu rechtfertigen. Die Idee dabei ist, jedem einzelnen besonderen Effekt oder Phänomen, das vom Modell generiert wird und psychologisch bzw. psychophysisch nachweisbar ist, dem Teil des Modells zuzuordnen, der für die Entstehung des Effektes kritisch ist. Daraus sollen Unterschiede zwischen den Modellen bezüglich empirisch testbarer Voraussagen resultieren, oder aber der Nachweis einer "Äquivalenz bezüglich der Effekte", falls keine Unterschiede vorhanden sind.
Der praktische Teil der Arbeit beinhaltet eine paradigmatische Anwendung des (theoretisch hergeleiteten und begründeten) methodischen Ansatzes auf den Vergleich zweier informationsverarbeitender Modelle (symbolischer sowie konnektionistischer Prägung) der Helligkeitswahrnehmung (Grossberg & Todorovic 1988, Kingdom & Moulden 1992). Die Arbeit umfaßt auch eine Implementierung der untersuchten Modelle zum Zwecke der Simulation. Die interdisziplinären Bezüge wurden u. a. durch eine Kooperation mit der University of Birmingham, School of Psychology und School of Computer Science, im Rahmen eines DAAD-British Council-Programms hergestellt.
Zeitraum: Oktober 1991 bis April 1998 (Abgabe der Dissertation)
Betreuer: S. Stiehl, R. Kluwe
Schwerpunkt: Visuelle Wahrnehmung und Aufmerksamkeit
Externe Vorträge während der Kollegiatenzeit:
Oktober 1993:
"Brightness models: Comparison of alternative approaches to FCS". Vortrag, gehalten am 7.10.93 an der University of Birmingham.
November 1993:
"Evaluierung von Modellen der Helligkeitswahrnehmung". Vortrag, gehalten am 3.11.93 am Institut für Psychologie, TU Braunschweig.
Mai 1994:
"Analysis and evaluation of computational models of brightness perception". Vortrag, gehalten am 29.05.94 im Rahmen des Workshops Computational and Psychophysical Approaches to Image Segmentation, 27.-29.05.95, University of Birmingham.
Dezember 1994:
"Stepwise validation and comparison of computational models of brightness perception". Vortrag, gehalten am 16.12.94, University of Birmingham.
Weitere relevante Aktivitäten:
  • DAAD-Kooperation mit der University of Birmingham, Prof. Glyn Humphreys, Dept. of Psychology, Dr. Ela Claridge, Dept. of Computer Science.
May, Michael Kausales Schließen. Eine Untersuchung zur kausalen Erklärung und Theorienbildung
Kollegsprojekt
Es existiert ein Bild der Kausalität, wonach der augenblickliche Zustand eines Systems die Wirkung des vorhergehenden und die Ursache des nachfolgenden ist. Ursache und Wirkung bilden eine lineare Kette von Zuständen in der Zeit. Dieses Bild findet sich auch dort, wo Verursachung als eine Beziehung zwischen Ereignissen aufgefaßt wird. Das Bild einfacher Kausalketten ist jedoch irreführend. Eine viel angemessenere Metapher ist die des Kausalnetzes, eines komplexen Gewebes von Kausalfaktoren, die gemeinsam eine oder mehrere Wirkungen hervorbringen, Wirkungen auf alternativen Pfaden erzeugen, sich gegenseitig hemmen oder in Wechselwirkung stehen. Diese Metapher des kausalen Netzes wird im vorliegenden Projekt wörtlich genommen. Ich untersuche im Detail die Fragen, wie ein solches Kausalnetz strukturiert ist, wie es Kausalschlüsse ermöglicht und wie Hypothesen über dieses Netz gebildet und gerechtfertigt werden. Dabei gewinnt manches traditionelle Problem ein neues Gesicht.
Zwei Gedanken bilden die Grundlage der Analyse: Erstens die Analyse der kausalen Relevanz mittels eines Konzeptes der Minimalität von Theorien. Durch dieses Konzept wird der Metapher vom kausalen Netz eine logisch präzise Interpretation gegeben. Und zweitens die Idee der Rechtfertigung von Kausalhypothesen durch die Eliminierung von Alternativen. Mit diesen sparsamen Mitteln lassen sich substantielle Beiträge zur Analyse der Kausalität, der kausalen Erklärung und der Entdeckung kausaler Zusammenhänge liefern. Die Ergebnisse bilden den Kern eines Computermodells, welches auf Basis simulierter Experimente Kausalzusammenhänge entdeckt, und sie werden als systematische Grundlage zur Erklärung kausaler Teststrategien herangezogen, wie wir sie in historischen Fallstudien wie der Entdeckung des Harnstoffzyklus durch Hans Krebs und Kurt Henseleit vorgefunden haben. Dadurch wird nachgewiesen, daß es sich um kognitive Problemlösestrategien handelt, die in der wissenschaftlichen Praxis tatsächlich Verwendung finden.
Zeitraum: Oktober 1993 bis November 1996 (Abgabe der Dissertation)
Betreuer: G. Graßhoff, Ch. Habel
Schwerpunkt: Erwerb, Repräsentation und Nutzung von Wissen
Einstellungen, Begriffe und Objekte
Externe Vorträge während der Kollegiatenzeit:
September 1994:
"Erwerb von kausalem Wissen im Kontext experimenteller Forschung". Vortrag, gehalten am 27.9.94 auf dem 39. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, Hamburg.
Oktober 1994:
"Generierung von Kausalhypothesen". Vortrag, gehalten am 13.10.94 auf der 1. Fachtagung der Gesellschaft für Kognitionswissenschaft an der Universität Freiburg, im Rahmen der Arbeitsgruppe Epistemische Systeme.
Januar 1995:
"Kausalität und Induktion". Vortrag, gehalten am 24.1.95 auf Einladung des Psychologischen Instituts der Universität Tübingen, Arbeitsgruppe Erwerb von Kausalwissen (Waldmann).
März 1995:
"From Historical Case Studies to Systematic Methods of Discovery". Vortrag (zusammen mit G. Graßhoff), gehalten am 28.3.95 auf dem AAAI-Spring-Symposium ’95 Systematic Methods of Scientific Discovery, Stanford, Californien.
Januar 1996:
"Generierung von Kausaltheorien". Vortrag, gehalten am Institut für Wissenschafts- und Technikforschung der Universität Bielefeld
Oktober 1996:
"Causal Reasoning". Vortrag, gehalten auf Signatures of Knowledge Societies, 4S/EASST Joint Conference, Bielefeld
November 1996:
"Experimentation and the Formation of Causal Theories", First European Workshop on Cognitive Modeling, Berlin
Dezember 1996:
"Causation and Discovery", Vortrag, gehalten auf dem Workshop "Computersimulations in Science and Technology Studies", IWT, Universität Bielefeld
Februar 1997:
"Commentary to Manson: Consciousness and Normativity", Vortrag, gehalten im Rahmen des Hamburg-Oxford Exchange, Oxford.
Publikationen:
  • May, M. (1993). Bewertung potentieller Erklärungen als dynamisches Element epistemischer Systeme. Studien aus dem philosophischen Seminar 14, Philosophisches Seminar, Universität Hamburg.
  • May, M. (1994).Erwerb von kausalem Wissen im Kontext experimenteller Forschung, in: Pawlik, K. (Hrsg.): 39. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, Hamburg, Abstracts, Band II, Hamburg, 464-465.
  • Graßhoff, G.& May, M. (1995). From Historical Case Studies to Systematic Methods of Discovery. in: Valdes-Perez, R (Hrsg.): Systematic Methods of Scientific Discovery. Papers from the 1995 AAAI Symposium (pp. 46-57), Technical Report SS-95-03, AAAI-Press.
  • Graßhoff, G.& May, M. (1995). Methodische Analyse wissenschaftlichen Entdeckens. Kognitionswissenschaft 5, 51-67.
  • May, M. (1996).Experimentation and the Formation of Causal Theories, in: Schmidt, U., Krems, J., Wysotzki, F., Proceedings of the First European Workshop on Cognitive Modeling, Forschungsberichte des Fachbereichs Informatik, Technische Universität Berlin, Report Nr. 96-39, Berlin, 128-135.
  • May, M. (1998). Causation and Discovery, in: Gilbert, N., Ahrweiler, P. (Hrsg.): Computersimulations in Science and Technology Studies, Berlin, Heidelberg: Springer, 53-69.
  • May, M. (1999), Kausales Schließen. Eine Untersuchung zur kausalen Erklärung und Theorienbildung, Berichte des Graduiertenkollegs Kognitionswissenschaft 64, Universität Hamburg.
  • May, M. (1999) Application of Data Mining and Advanced GIS to the Analysis of Vegetation Data, Conference Proceedings "Sustainable Landuse Management - the Challenge of Ecosystem Protection", Ecology Center, University Kiel, 1999, accepted, erscheint September 1999
  • May, M, Oestermeier, U., (Hrsg.) 1999, Proceedings des Workshops "Kausalität" der Kogwis '99, Bielefeld, GMD-Report, Sankt Augustin, erscheint September '99.
  • May, M. (1999), Die Kontextabhängigkeit kausaler Erklärungen, in: May, M, Oestermeier, U., (Hrsg.) 1999, Proceedings des Workshops "Kausalität" der Kogwis '99, Bielefeld, GMD-Report, Sankt Augustin. erscheint September '99.
Meints, Kerstin Typizitätseffekte im Erwerb des englischen Passivs. Empirische Untersuchungen
Kollegsprojekt
Die Struktur von Kategorien ist ein zentrales Thema in den Arbeiten von Rosch (1978). Eine asymmetrische Struktur (Gradientenstruktur) von Kategorien mit gradueller Zugehörigkeit ihrer Mitglieder und unscharfen Grenzen konnte auch bei linguistischen Kategorien festgestellt werden. Diese Gradientenstruktur kann mit Hilfe von Typizitätseffekten sichtbar gemacht werden. In der linguistischen Theorie werden die Erkenntnisse über die Strukturiertheit von Kategorien vor allem in der Cognitive Grammar (Langacker 1987, 1991) als eine ihrer Grundlagen genutzt; universale Prinzipien (wie Konzeptualisierung, Mustererkennung und Kategorisierung), die allen kognitiven Fähigkeiten des Menschen zugrunde liegen, werden beschrieben. Innerhalb dieser beiden Ansätze aus Psychologie und Linguistik gibt es mittlerweile eine Reihe von Arbeiten, die die Gradientenstruktur auf linguistische Kategorien anwenden.
Ziel meiner Arbeit ist es zu prüfen, ob sich eine Gradientenstruktur im Passiverwerb bei Vorschulkindern und im Passiv von Erwachsenen empirisch nachweisen läßt und sich somit für Vorhersagen über einen hierarchisierten Erwerb des Passivs eignet. In meinen Untersuchungen habe ich sowohl die einzelnen Faktoren, die das Passivverstehen und die Passivproduktion beeinflussen (Verb, Agens, Patiens, Reversibilität des Satzes, kindliches Weltbild) wie auch die Interaktion dieser Faktoren untersucht. Besondere Aufmerksamkeit wurde hierbei der Rolle der Transitivität im Passiverwerb zuteil.
Hierzu wurde zunächst eine Voruntersuchung mit Erwachsenen und Jugendlichen zur konzeptuellen Struktur von 96 Verben durchgeführt, in welcher die Verben nach verschiedenen konzeptuellen Kriterien bewertet wurden. Auf dieser Grundlage konnten die Verben für die folgende kindersprachliche Hauptuntersuchung in verschiedene Typizitätsstufen eingeteilt werden. Typische Passiva sollten sowohl in der Produktion wie auch im Verstehen von Passiva früher erworben werden als peripherere Passiva.
Für die Hauptuntersuchung wurden Passiva in Sprachproduktion und Sprachverstehen bei englischen Kindern (monolingual, Alter 2;0-5;0, engl. Mittelschicht) untersucht. Die Daten wurden transkribiert und varianzanalytisch behandelt.
Zusätzlich wurden Typizitätsratings mit Erwachsenen durchgeführt, in denen den Erwachsenen die Passivsätze aus den kindersprachlichen Untersuchungen vorgelegt wurden. Hierbei ist zu erwarten, daß sich der Kernbereich der von den Erwachsenen für typisch bewerteten Passiva mit dem von den Kindern verstandenen Passiva deckt, da die Typizitätseffekte stabil sein sollten.
In der Hauptuntersuchung konnten Typizitätseffekte (prototypisches vs. peripheres Passiv) und ein gradueller Erwerb des Passivs empirisch nachgewiesen werden. Wie vorhergesagt werden typische Passiva von den Kindern früher produziert und verstanden als weniger typische oder periphere Passivkonstruktionen. Die Rolle der Handlung ist dabei von größter Wichtigkeit für das Verstehen des Passivs. Die Passivproduktion und das Passivverstehen wachsen mit steigendem Alter der Kinder graduell an, und die Gruppe der verstandenen Passivkonstruktionen wird von einem Kernbereich typischer Passiva mit zunehmendem Alter um peripherere Konstruktionen erweitert. Erste Ergebnisse der Erwachsenenratings bestätigen zudem die Stabilität der typischen Passiva.
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Verwendung des Prototypenansatzes es erlaubt, den Passiverwerb genauer vorherzusagen, als es andere Ansätze bislang vermögen, da zum einen die Reihenfolge des Erwerbs vorhergesagt werden kann und zum anderen der Einfluß einzelner Faktoren sowie deren Interaktion festgestellt werden kann. Typizität scheint somit von Kindern im Spracherwerb genutzt zu werden und sollte daher in Theorien zum Spracherwerb berücksichtigt werden.
Zeitraum: Oktober 1992 bis September 1996 (Abgabe der Dissertation)
Betreuer: Günter Radden, Werner Deutsch
Schwerpunkt: Sprachentwicklung und Sprachentwicklungsstörungen
Externe Vorträge während der Kollegiatenzeit:
September 1994:
"Typikalitätseffekte im Spracherwerb". Vortrag, gehalten am 26.9.1994 auf dem 39. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, Hamburg.
Oktober 1994:
"Der Erwerb des Passivs und die Rolle von Typikalitätseffekten". Posterpräsentation, am 13.10.1994 auf der 1. Fachtagung der Gesellschaft für Kognitionswissenschaft, Freiburg
Juli 1995:
"Typicality effects in the acquisition of the English passive". Vortrag, gehalten am 19.6.1995 bei der "3. Internationalen Konferenz der International Cognitive Linguistics Association", Albuquerque, New Mexico.
September 1995:
"The Acquisition of the English Passive: Internal Structure and Typicality Effects". Vortrag, gehalten am 7. September bei der GALA, Groningen Assembly on Language Acquisition, Groningen, Niederlande.
April 1996:
"Early comprehension of the English passive". Posterpräsentation, am 12.4.1996 bei der 2. European Research Conference "The development of sensory, motor and cognitive abilities in early infancy: Antecedents of language and symbolic function", San Feliu de Guixols, Spanien.
November 1996:
"The English passive and typicality". Vortrag, gehalten beim Treffen der Cognitive Science Arbeitsgruppe im Department für Experimentelle Psychologie, Oxford, UK.
Juni 1997:
"Typicality effects in language acquisition: How prototypes can predict the acquisition of the English passive". Vortrag, gehalten am 18.6.1997, in der Vortragsreihe des entwicklungspsychologischen Seminars der Experimental-psychologie, Oxford, UK.
Juli 1997:
"Hitten and scratched and almost deadened: Categorisation processes in language acquisition". Vortrag, gehalten am 17.7.1997 bei der 4. Internationalen Cognitive Science Sommerschule, Sofia, Bulgarien.
August 1997:
"Categorisation processes in language acquisition: How prototypes predict the acquisition of the English passive". Vortrag, gehalten am 20.8.1997 bei der Internationalen Konferenz "Language and Cognition in Language Acquisition", Odense, Dänemark.
Weitere relevante Aktivitäten:
Juni/August 1994:
Durchführung von Experimenten mit englischen monolingualen Kindern in London, UK, vom 6. Juni 1994 bis 13. August 1994.
Januar/Februar 1995:
Planung und Durchführung des 13. Hamburger Kognitionskolloquiums mit dem Schwerpunktthema: "Sprachentwicklung und Sprachentwicklungsstörungen" (gemeinsam mit den Kollegiatinnen des Schwerpunktes).
Publikationen:
  • Meints, K. (1994). Typikalitätseffekte im Spracherwerb. In: K. Pawlik (Ed.). Kongreßbericht der Deutschen Gesellschaft für Psychologie. Hamburg.
  • Meints, K. (1995). Der Erwerb des Passivs und die Rolle von Typikalitätseffekten. In: W. Strube (Ed.). Proceedings der 1. Fachtagung der Gesellschaft für Kognitionswissen-schaft. Freiburg.
  • Meints, K. (1996). Typikalitätseffekte im Erwerb des englischen Passivs. In: R.H. Kluwe & M. May (Ed.). Proceedings der 2. Fachtagung der Gesellschaft für Kognitionswissenschaft. Hamburg.
  • Meints, K. (1998). Categorisation processes in language acquisition. In: M.G. Shafto and P. Langley (eds.). Proceedings of the Nineteenth Annual Conference of the Cognitive Science Society. LAE: Mahwah, NJ.
  • Meints, K. (1998). Review of "Human evolution, language and mind: A psychological and archaeological inquiry". In: The British Journal of Developmental Psychology 1998 (16).
  • Meints, K. (1999). "Prototypes and the Acquisition of the English passive". In: Kokinov, B. (ed.) Perspectives on Cognitive Science, Vol. 4: 67 - 77. Sofia: NBU Press.
  • Meints, K., Plunkett, K. & Harris, P.L. (1999). "When does an ostrich become a bird? The role of typicality in early word comprehension". Developmental Psychology 1999, Vol. 35 (4).
  • Meints, K. (1999). Typizitätseffekte im Erwerb des englischen Passivs: Eine empirische Untersuchung. Köln: Deutscher Universitätsverlag.
  • Meints, K. (1999)."To get or not to get”. The get-passive in children and adults. In: Motivation in Language: From Case Grammar to Cognitive Linguistics. New York, Amsterdam: John Benjamins (in preparation).
Meyer, Matthias Phasenmodulation und Phasenkooperation. Ein Modell zur Gruppierung von kollinearen und krummlinig angeordneten synthetischen Punkten und Linienelementen
Kollegsprojekt
Gegenstand dieser Arbeit ist die Modellierung ausgewählter Gruppierungsprinzipien der frühen visuellen Wahrnehmung, wie sie phänomenologisch durch die Gestaltgesetze beschrieben werden. Insbesondere werden die Gruppierung von kollinear, krummlinig und auf Ecklinien angeordneten Punkten und Linienelemente zu geschlossenen Konturen erklärt werden. Die Modellbildung setzt auf die bestehende neuronale Berechnungsarchitektur (Boundary Contours System, BCS) zur Konturwahrnehmung auf, wie sie in der FACADE-Theorie zur frühen visuellen Wahrnehmung von Grossberg und Mitarbeitern an der Boston University vorgeschlagen und durch Arbeiten von Neumann und Stiehl erweitert wurde. Der interdisziplinäre Zugang zu diesen ausgewählten Phänomenen der Gestaltorganisation erfolgte u.a. durch eine Zusammenarbeit mit Wahrnehmungspsychologen an der Technischen Universität Braunschweig sowie im Rahmen eines DAAD-British Council-Programmes (Academic Research Collaboration) mit Wahrnehmungspsychologen der School of Psychology als auch mit Informatikern des Department of Computer Science an der University of Birmingham.
Mit Methoden der mehrdimensionalen Signal- und Systemtheorie wurde eine neue Sichtweise, die sogenannte Phasenmodulation & Phasenkooperation, für Gruppierungsmodelle vorgeschlagen und so ein Modell abgeleitet, welches die Gruppierung von kollinearen, krummlinig und auf Ecklinien angeordneten synthetisch erzeugten Punkten und Linienelementen gleichermaßen gut erklären kann. Dabei wird sowohl Positions- und Orientierungsunschärfe als auch unkontrollierte Gruppierung von verrauschten visuellen Reizen unterdrückt. Die feedforward Architektur dieses Gruppierungsmodells mit seinen kaskadierten Kooperationsstufen kann darüber hinaus die Gruppierung in verschieden großen Skalen gleichermaßen erklären.
Die vorgeschlagene Modellbildung basiert ausschließlich auf Operationsgliedern (Proportional-, Additions- und Subtraktionsglieder mit nachgeschalteter Einweggleichrichtung), welche allgemein anerkannte neuronale Verknüpfungen wie Exzitation und Inhibition modellieren. Die dabei vorliegende Phasenmodulation moduliert das Divergenzprinzip neuronaler Verschaltung und die Phasenkooperation das Konvergenzprinzip neuronaler Verschaltung. Mit diesem Ansatz konnte aufgezeigt werden, daß für die Gruppierung von synthetisch erzeugten Stimulianordnungen keine explizite Modellierung von sogenannten Fächern nötig ist.

Literatur:
  • Neumann, H. & Stiehl, H.S. (1989). A Competitive/Cooperative (Artificial Neural) Network Approach to the Extraction of N-th Order Junctions. In Burckhardt, H. and Höhne, K.H. and Neumann, B. (eds.), Mustererkennung. Informatik Fachberichte 219, pp. 256 - 263, Berlin. Springer.
  • Grossberg, S. (1990). Neural Facades: Visual Repräsentatations of Static and Moving Form-And-Color-And-Depth. Mind & Language 5:4, (pp. 411-456).
  • Neumann, H. & Stiehl, H. S. (1995). Modelle der frühen visuellen Informationsverarbeitung. In. G. Görz (Hrsg.): Einführung in die Künstliche Intelligenz. Addison-Wesley Lehrbuch (Bericht Nr. 15, GrK Kognitionswissenschaft-Schriften, Universität Hamburg, Oktober 1995, 2. Auflage).
Zeitraum: April 1991 bis März 1996 (Abgabe der Dissertation)
Betreuer: H.S. Stiehl, R. Kluwe
Schwerpunkt: Visuelle Wahrnehmung und Aufmerksamkeit
Externe Vorträge während der Kollegiatenzeit:
Oktober 1993:
"BCS and Collinear and Curvilinear Grouping". Vortrag, gehalten am 07.10.1993 University of Birmingham
Mai 1994:
"BCS and Emergent Collinear and Curvilinear Grouping of Dots and Linesegments". Vortrag, gehalten im Workshop: Computational and Psychophysical Approach to Image Segmentation. 26.05.1994 - 30.05.1994 University of Birmingham / UK
Dezember 1994:
"Collinear and Curvilinear Grouping of Dots and Line Segments". 16.12.94 an der University of Birmingham, UK. School of Psychology University Birmingham / UK
Weitere relevante Aktivitäten:
  • DAAD-Kooperation mit dem Dept. of Psychology der University of Birmingham, Prof. Glyn Humphreys und Mitarbeiter
  • DAAD-Kooperation mit dem Dept. of Psychology & Dept. of Computer Science, Dr. Ela Claridge und Mitarbeiter. Center for Adaptive Systems and Cognitive & Neural Systems, Boston University Dr. A. Worth
  • Arbeitstreffen mit dem Psychologischen Institut der Technischen Universität Braunschweig, Priv. Doz. Dr. R. Hübner
Publikationen:
  • Meyer, M. (1997). Phasenmodulation & Phasenkooperation: Ein Modell zur Gruppierung von kollinearen und krummlinig angeordneten Punkten und Linienelementen. GrKK Bericht Nr. 58, Januar 1997. Schriftenreihe des Graduiertenkollegs Kognitionswissenschaft, Universität Hamburg.
Müller, Vincent C. Realismus und Referenz
Kollegsprojekt
In dem Projekt wird die Relevanz des Begriffes der Referenz für die Realismusdebatten anhand von kategorialen Ausdrücken erforscht. Dabei soll deutlich werden, was eine Realismusdebatte bezüglich eines kategorialen Ausdrucks überhaupt ist, und welche theoretischen Optionen mit welchen Gründen eingenommen werden können.
Angesichts der erheblichen Konfusion um den Begriff "Realismus" in der Philosophie galt es zunächst, eine grobe Erklärung zu erarbeiten (Gegenstände und Arten existieren unabhängig von menschlicher Erkenntnis). Sodann wird gezeigt, wie die gegenwärtigen Debatten ihren Anfang von der Kritik des frühen Putnam und von Kripke in den siebziger Jahren an den etablierten Referenzauffassungen nehmen. Diese hatten scheinbar gezeigt, daß die Referenz bestimmter Ausdrücke von ihren Referenzgegenständen selbst (mit-)bestimmt wird. Diese Theorie wird mit ihren Gegnern (um Dummett) ebenso kontrastiert wie mit der Auffassung von Realismusdebatten als "Wissenschaftsrealismus" oder Realismus bezüglich des Wahrheitsbegriffes.
Mit der Referenzauffassung gelangt nun das Verhältnis zwischen Konzepten (mentalen Repräsentationen), Wortbedeutungen und Arten in der Welt in das Zentrum einer Realismusdebatte, und hier wird diese zu einer kognitionswissenschaftlichen und interdisziplinären Fragestellung. Die theoretischen Optionen bei der menschlichen Kategorisierung teilen sich danach auf, was die Extension einer bestimmten Art, einer Wortbedeutung, eines Konzeptes bestimmt (etwa von "Tiger", "Elektron", "Person", "mentales Modell" oder "Geld"). Bestimmen Konzepte Wortbedeutungen oder bestimmen Arten Wortbedeutungen, oder keines von beiden?
Die theoretischen Optionen unterscheiden sich der hier entwickelten Auffassung zufolge zunächst bezüglich der Frage, ob man eine Art als natürliche Art auffassen will (deren Extension durch die Natur bestimmt ist, also erkenntnisunabhängig besteht). Tut man das, dann kann man mehrere gleich gute Beschreibungen des betreffenden Gegenstandsbereiches zulassen (begriffliche Relativität), oder dies ablehnen. Hieraus ergeben sich zwei realistische Positionen, eine starke und eine moderate. Die verbleibende antirealistische Position faßt die Art als nominelle auf, deren Extension wird durch unsere Konzepte bestimmt, muß uns also epistemisch zugänglich sein; sie erlaubt begriffliche Relativität.
Abschließend werden Argumente vorgestellt, die eine Entscheidung zwischen den drei entwickelten Optionen in konkreten Fällen gestatten - wobei vor allem die psychologische und linguistische Konzeptforschung (Rosch, Taylor, Lakoff etc.) Antworten auf die Fragen bietet, wie wir de facto kategorisieren. An diesem Punkt wird auch die Relevanz der Tatsache erörtert, daß die meisten kategorialen Ausdrücke vage sind. In diesem Abschnitt soll sich auch zeigen, ob die entwickelte Auffassung fruchtbar eingesetzt werden kann.
Zeitraum: Oktober 1995 bis April 1999 (Abgabe der Dissertation)
Betreuer: W. Künne, S. Kelter
Schwerpunkt: Einstellungen, Begriffe und Objekte
Externe Vorträge während der Kollegiatenzeit:
November 1995:
"Putnams Begriff der begrifflichen Relativität", Fachbereichskolloquium des Fachbereiches Philosophie, Universität Konstanz.
Januar 1996:
Vortrag des mit Christian Stein verfaßten Textes: "Epistemic Theories of Truth: The Justifiability Paradox Investigated" bei dem Kongreß "Verdad: Logica, Representatión y Mundo" in Santiago de Compostela.
Juli 1996:
Radiosendung mit Ingeborg Breuer (Red.) und Alex Burri: "Wie realistisch kann der Realismus sein? Hilary Putnams Gratwanderung zwischen Metaphysik und Skeptizismus". Erstsendung im Deutschlandfunk am 26.7.96, 20:10-21:00 Uhr.
Februar 1997:
Hauptvortrag im 1. Oxford-Hamburg Workshop, Oxford: "Reference and Natural Kinds".
Juni 1997:
"Referenz auf natürliche Arten: Drei Optionen in den Realismusdebatten", Kolloquium des Philosophischen Seminars, Universität Bremen.
September 1997:
"Reference to Natural Kinds", Analyomen 3, Rationalität, Realismus, Revision, 3. Kongreß der Gesellschaft für analytische Philosophie, 13.-18.9., München.
Weitere relevante Aktivitäten: Organisation von Gastvorträgen während der Kollegiatenzeit.
März 1996:
Edition und Layout des Journals "KogBit" aus dem Graduiertenkolleg Kognitionswissenschaft (2 Ausgaben).
Juli 1996:
Organisation des Gastwissenschaftleraufenthaltes von Prof. Martin Davies, Oxford (3.-16.7.96) am Graduiertenkolleg Kognitionswissenschaft.
seit August 1996:
Tätigkeit als Gutachter für die Zeitschrift "Erkenntnis".
September 1996:
Teilnahme am Kongreß der "Allgemeinen Gesellschaft für Philosophie in Deutschland", Leipzig.
Publikationen:
  • Müller, V. C. (1991) Rezension von Mark Sainsbury: "Paradoxes" (CUP 1989) in Roberto Casati et al. (Hg.): The European Yearbook of Philosophy, Vol. I "Philosophy of Mind", Pfullingen: Neske.
  • Müller, V. C. (1993a) Übersetzung von Mark Sainsbury: Paradoxien (CUP 1989), Stuttgart: Philipp Reclam.
  • Müller, V. C. (1993b) Herausgabe und Übersetzung von Hilary Putnam: Von einem realistischen Standpunkt: Schriften zu Sprache und Wirklichkeit, Reinbek: Rowohlt. (Darin Einleitung, Übersetzung von zehn Aufsätzen, Anmerkungen und Bibliographie.) Bibliographie wiederabgedruckt in Hilary Putnam: Pragmatism: An Open Question, Oxford: Blackwell 1995, 82-102.
  • Müller, V. C./Stein, C. (1996a) "Epistemic Theories of Truth: The Justifiability Paradox Investigated" in: C. Martínez Vidal/U.Rivas Monroy/L. Villegas Forero (Hg.): Verdad: Lógica, Representatión y Mundo, Santiago de Compostela: Universidade de Santiago de Compostela 1996, 95-104.
  • Müller, V. C. (1996b) Rezension von Crispin Wright: "Truth and Objectivity" (HUP 1993), Erkenntnis 44, 119-123.
  • Müller, V. C. (1997a ) "Real Vagueness", in Georg Meggle (Hg.): Analyomen 2, Perspectives in Analytical Philosophy, Vol II: Philosophy of Language and Metaphysics, Berlin: de Gruyter, 398-403. (2. Kongreß der Gesellschaft für analytische Philosophie, Leipzig 7.-10.9.1994)
  • Müller, V. C./Kelter, S. (1997b) "Too Much Substance - Not Enough Cognition", Kommentar zu Ruth Millikan: "A Common Structure for Concepts of Individuals, Stuffs and Real Kinds", in: Behavioural and Brain Sciences 21, 1997.
  • Müller, V. C. (1997c) Übersetzung von vier Aufsätzen aus dem Englischen. Erscheinen in: Christoph Jäger (Hg.): Analytische Religionsphilosophie, Berlin: Schöningh.