| Doktoranden | |
| Nachtigall, Angela | Rolle visueller Repräsentationen beim Problemlösen |
|---|---|
| Kollegsprojekt | |
| In Anlehnung an die bestehenden Analogien-Theorien (Gentner, 1989; Holyoak und Thagard, 1989, 1995; Ross, 1984, 1987, 1989) habe ich visuelle Analogien untersucht und dabei im Speziellen den Einfluß visueller, nicht zielrelevanter Eigenschaften der verwendeten Figuren. Schüler (Gymnasiasten der Abiturstufe) und Studenten bearbeiteten dazu in insgesamt 6 Experimenten Dreistadts (1969) Farmproblem, bei dem es darum geht, eine Figur in 4 form- und größengleiche Stücke zu unterteilen.Die zu unterteilende Figur gehört zu den rep4-Figuren, d.h. sie läßt sich in 4 Figuren unterteilen, die die selbe Form haben wie die Gesamtfigur. Wie sich zeigt, profitieren die Probanden bei der Bearbeitung der Farmaufgabe davon, wenn sie zuvor eine andere rep4-Figur memoriert hatten. Der Effekt ist jedoch von einigen Eigenschaften der visuellen Oberfläche abhängig, z.B. dem Innenwinkel der Figur. D.h. es fällt leichter, das Lösungsprinzip von einer ähnlichen Figur zu übernehmen als von einer unähnlichen. Bei zwei bearbeiteten Figuren ist der Effekt ebenfalls zu beobachten, jedoch schwächer ausgeprägt. Auch bei der Darbietung einer Figurenserie mit 18 Abbildungen ist ein Effekt der visuellen Oberfläche nachweisbar. Da hier Ähnlichkeit und Nutzbarkeit der Figuren positiv korrelieren, kann man davon ausgehen, daß zumindest einige Eigenschaften der visuellen Oberfläche in den Transfer eingehen, obwohl sie nicht lösungsrelevant sind. Es bleibt nun noch zu diskutieren, ob sich die Befunde in die exemplarbasierten Ansätze (z.B. Ross, 1989) einfügen lassen und welche Konsequenzen sich für den Prozeß analogen Schließens im Allgemeinen ergeben. | |
| Zeitraum: | seit Mai 1997 |
| Betreuer: | D. Rhenius, Ch. Freksa |
| Schwerpunkt: |
Erwerb, Repräsentation und Nutzung von Wissen
Repräsentation von Raum und Zeit in kognitiven Prozessen |
| Externe Vorträge während der Kollegiatenzeit: |
|
| Weitere relevante Aktivitäten: |
|
| Nagy, László Konrad | Prag- Ein kognitives Prozeßmodell für die Verarbeitung kognitiver Sprechakte |
| Kollegsprojekt | |
|
In diesem Projekt werden zwei wesentliche Ziele verfolgt. Das erste besteht darin, die Theorie der Konversationsimplikatur von Grice (1975) und ihre Teilaspekte, u.a. die Konversationsmaximen und die Eigenschaften von Implikaturen, mit Hilfe experimenteller Methoden zu überprüfen. Das zweite Ziel ist die Entwicklung eines kognitiven Modells der pragmatischen Sprechaktverarbeitung.
Ausgangspunkt des Projekts war die vielfach dokumentierte Tatsache, daß Folgerungen in Alltagssituationen häufig nicht auf wenige simple, kontextunabhängige Mechanismen reduziert werden können. Auch in einem kontrollierten Experiment bilden die Versuchspersonen Hypothesen über die Situation und über das Verhalten des Versuchsleiters, und zwar aufgrund explizit und implizit mitgeteilter Informationen. Die Erklärung solcher pragmatischen Einflüsse ist keine triviale Aufgabe. Die Theorie der Konversationsimplikatur von Grice (1975), die die Forschung an der Schnittstelle von Sprachphilosophie, Sprachwissenschaft und Psychologie nachhaltig beeinflußt, scheint darauf eine angemessene Antwort zu geben. Allerdings werden die Griceschen Konstrukte in ihrer ursprünglichen Form sehr vage erläutert; sie müssen präzisiert werden, um die Konversationsimplikatur in eine kognitive Theorie des Schließens integrieren zu können. Prag greift die Idee der Implikatur auf, definiert sie aber auf der Basis expliziter kognitiver Verarbeitungsmechanismen. Das Modell besagt, daß zunächst die Teilsätze der hier untersuchten Äußerungen propositional repräsentiert werden (1. Schritt), daß dann der Hörer eine mentale Repräsentation der Sprecherintention aufbaut (2. Schritt), den Sprechakt kategorisiert (3. Schritt) und schließlich die Handlungsmuster bestimmt, die durch den Sprechakt gerechtfertigt erscheinen (4. Schritt). Das Material dieser Untersuchung sind konditionale Versprechen (z.B. "Wenn du meinen Text formatierst, bette ich dich auf Rosen.") und Drohungen ("Wenn du meinen Text formatierst, haue ich dir eine runter."), die zusammen mit den passenden Kontextgeschichten in einer Fragebogen-Untersuchung evaluiert und dann in drei Reaktionszeit-Experimenten verwendet wurden. |
|
| Zeitraum: | Oktober 1995 bis Januar 1998 (Abgabe der Dissertation) |
| Betreuer: | R. Kluwe, D. Vorberg, H. Haider |
| Schwerpunkt: | Einstellungen, Begriffe und Objekte |
| Externe Vorträge während der Kollegiatenzeit: |
|
| Weitere relevante Aktivitäten: |
|
| Publikationen: |
|
| Neugebauer, Elisabeth | Aspektanpassung in der Zwei-Ebenen-Theorie |
| Drittmittelprojekt | |
|
Die strikte Trennung von sprachlichem und außersprachlichem Wissen ist der Kern der Zwei-Ebenen-Theorie der Bedeutung (z. B. Bierwisch & Lang 1987). Herweg (1990), der auf der Grundlage dieser Theorie Tempus und Aspekt im Deutschen eingehend analysiert, weist allerdings darauf hin, daß zunächst unklar ist, wie im Rahmen dieser Theorie die aspektuelle Uminterpretation von Verbalphrasen, die die Aspektanforderungen einer Konjunktion nicht erfüllen, zu erklären ist (z. B. Nachdem Hans schlief, gingen seine Eltern ins Theater.). Herweg (1990) selbst nimmt an, daß defekte semantische Repräsentationen weiterverarbeitet werden und daß erst bei der Bedeutungszuweisung auf der konzeptuellen Ebene die aspektuelle Uminterpretation vorgenommen wird. Anders als Dölling (1992) postuliert Herweg (1990) also keine Rückkoppelung, sondern behält die Annahme strikter Modularität bei (vgl. auch Herweg & Maienborn 1992).
Ausgehend von Herwegs linguistischen Untersuchungen soll in dem Projekt eine psycholinguistisch motivierte Konzeption für den Mechanismus entwickelt werden, der der Aspektanpassung zugrundeliegt. Für die Entwicklung dieser Konzeption muß zunächst experimentell geprüft werden, ob die aspektuelle Uminterpretation auf konzeptueller Ebene einen Verarbeitungsmehraufwand bedeutet. In der ersten Phase des Dissertationsprojekts stand daher die theoretische und praktische Einarbeitung in die psycholinguistische Forschungsmethodik und die Planung der entsprechenden experimentellen Untersuchung im Vordergrund. In der Untersuchung sollen die Lesezeiten bei Sätzen mit semantischer Inkompatibilität von Konjunktion und Verbalphrase und die Lesezeiten bei vergleichbaren Sätzen ohne diesen semantischen Defekt miteinander verglichen werden. |
|
| Zeitraum: | Oktober 1993 bis September 1994 |
| Betreuer: | Ch. Habel, St. Kelter |
| Schwerpunkt: |
Sprachproduktion und Sprachverstehen
Repräsentation von Raum und Zeit in kognitiven Prozessen |
| Externe Vorträge während der Kollegiatenzeit: |
|
| Publikationen: |
|
| Postdoktoranden | |
| Nieding, Gerhild | Die Entwicklung mentaler Modelle beim Textverstehen bei Kindern |
| Kollegsprojekt | |
|
Die Forschungsarbeiten, die in der Zeit begannen, als ich Postdoktorandin am Graduiertenkolleg Kognitionswissenschaft in Hamburg war, liefern Evidenz dafür, daß bereits Vorschulkinder analoge mentale Modelle (Johnson-Laird, 1983, 1989) von auditiv vorgegebenen Geschichten aufbauen. Die Ergebnisse zeigen, daß räumliche Verhältnisse der beschriebenen Situation von Geschichten in Abhängigkeit von Protagonistenaufenthalten in mentalen Modellen bewahrt bleiben und sich situationsbasierte Inferenzen im mentalen Modell von textbasierten Inferenzen unterscheiden (Nieding & Ohler, 1997a,b).
Weiterhin zeigen die Ergebnisse, daß der Aufbau mentaler Modelle bereits bei Kindern an übergeordneten globalen Textinferenzen (Graesser, Singer & Trabasso, 1994, Nieding, Ohler & Thußbas, 1996) ausgerichtet ist: Bei Geschichten mit zwei Protagonisten sind räumliche Informationen in Abhängigkeit ihrer Relevanz für das jeweils übergeordnete Protagonistenziel im mentalen Modell verfügbar (Nieding & Ohler, 1997a). Außerdem kann die narrative Ereignisorganisation für den Aufbau mentaler Modelle zentraler sein als der Protagonistenstatus, wenn z.B. ein Objekt eingeführt wird, das für den "main point" einer Geschichte relevant ist (Nieding & Ohler, 1997b). Zur Zeit untersuche ich unter Zugrundelegung kausaler Netzwerkmodelle (z.B. Trabasso, 1991) die Art von Textinferenzen genereller, nach denen Vorschulkinder und ältere Kinder den Aufbau mentaler Modelle ausrichten. Als weitere Forschungsfragestellung wurde von mir der Einfluß des domänenspezifischen Vorwissens (Fincher-Kiefer, Post, Greene & Voss, 1988, Morrow, Leirer & Altieri, 1992) auf den Aufbau mentaler Modelle bei Kindern untersucht. Dazu führte ich bereits Experimente durch. Kindern mit hoher und niedriger Domänenexpertise werden narrative Texte mit und ohne domänenrelevantem Inhalt dargeboten, die im Hinblick auf die Textkohärenz parallelisiert sind. In einem ersten Experiment werden die postulierten Ebenen der Repräsentation (textbasierte Repräsentationen und das mentale Modell) mittels Recognitionstest unter Vorgabe von Originalsätzen, Paraphrasen sowie Sätzen mit modellkonformen und mit nicht modellkonformen Inferenzen erfaßt. Die Verteilung der Fehlerhäufigkeiten soll Aufschluß geben über die zugrundeliegenden Repräsentationen (vgl. Schmalhover & Glavanov, 1986). Weiter wird zur Zeit getestet, ob Domänenwissen Einfluß hat auf das Ausmaß an globalen Inferenzprozessen bei der narrativen Textverarbeitung. Dazu werden die Texte unterbrochen und die Kinder erhalten die Aufgabe mittels zweier Tasten zu indizieren, ob ein bildlich dargebotenes Objekt in der Geschichte vorkam oder nicht. Die Objekte sind entweder mit einer lokalen Inferenz oder mit einer globalen Inferenz assoziiert (vgl. Rizella & O'Brien, 1996). In einem weiteren Vorgehen sollen Experimente zum Einfluß von Domänenwissen auf die Repräsentation räumlicher Information realisiert werden. Ausgangspunkt sind Befunde aus der kognitiven Entwicklungspsychologie, wonach bereits 4jährige Kinder metrische Distanzen realisieren (vgl. Newcombe & Huttenlocher, 1992). In einem ersten Schritt soll getestet werden, ob die kognitive Verfügbarkeit von Objekten mit der räumlichen Distanz (Morrow, 1994) zu dem aktuellen Aufenthaltsort der Protagonisten abnimmt und ob sich dieser Effekt durch das spezifische Domänenwissen von Kindern verstärkt. In allen Experimenten zum Einfluß bereichsspezifischen Vorwissens auf mentale Modelle wird die Rolle des Arbeitsgedächtnisses, speziell der visuell-räumlichen und sprachgebundenen Komponenten (Gathercole & Baddeley, 1993) beim Aufbau mentaler Modelle betrachtet. Literatur:
|
|
| Zeitraum: | Mai bis September 1995 |
| Kooperationspartner: | Kelter, Habel |
| Schwerpunkt: | Repräsentation von Raum und Zeit in kognitiven Prozessen |
| Externe Vorträge während der Kollegiatenzeit: |
|
| Publikationen (seit 1995): |
|
|
|
Graduiertenkolleg Kognitionswissenschaft
Universität Hamburg Vogt-Kölln-Str. 30 D-22527 Hamburg |
Tel.: 040 / 42883 2384
Fax: 040 / 42883 2385 e-mail: grkk-koord@informatik.uni-hamburg.de |