Doktoranden
Rehkämper, Klaus Sind mentale Bilder bildhaft? Eine Fragestellung zwischen Philosophie und Wissenschaft.
Drittmittelprojekt
Dissertation am Fachbereich Philosophie und Sozialwissenschaft der Universität Hamburg.
Siehe auch Postdoktoranden
Zeitraum: Zugehörigkeit zum Kolleg: Als Doktorand Oktober 1990 bis Juni 1991 (Disputation)
Betreuer: W. Künne, Ch. Habel
Externe Vorträge während der Kollegiatenzeit:
27.10.1990:
"Picture yourself in a boat on a river - Über die Bildhaftigkeit mentaler Repräsentationen." im Rahmen der Tagung Methodologische Grundlagen der KI (Veranstalter: Dr. B. Becker, Dr. H. Hildebrandt, Prof. Dr. E. Scheerer), vom 24.-27.10.1990 in Bielefeld, Zentrum für Interdisziplinäre Forschung
4.11.1990:
"In and out of focus - Some remarks on a focus-based theory of text comprehension." auf dem Workshop Focus des Zentrums für Interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld (Leitung: Prof. Dr. Ch. Habel, Prof. Dr. Gert Rickheit)
29.11.1990:
"Sind mentale Bilder bildhaft?" an der Universität Innsbruck (Österreich) im Rahmen des Kolloquiums des Tiroler Arbeitskreises Philosophie und Künstliche-Intelligenz-Forschung (PD Dr. Karl Leidlmair)
29.5.1991:
"Wahrnehmung und KI" am Philosophischen Seminar der Universität Leipzig. (Lehrstuhl Prof. Dr. Dieter Wittich)
Publikationen:
Ruff, Claudia Die Grammatikalisierung des Besitzes: ein Vergleich der Entwicklung von Possessivkonstruktionen von deutschen und italienischen Kindern
Kollegsprojekt
Der Arbeit liegt die Konvergenztheorie der Sprachentwicklung von William Stern zugrunde, nach der Kinder ein angeborenes Sprachgefühl haben, aufgrund dessen sie grammatische Regeln in der gehörten Sprache entdecken können. Auf der anderen Seite spielt jedoch auch der semantische Inhalt der einzelnen Worte eine große Rolle im Aufbau der Sprache. Kinder gehen nun so vor, daß sie die Regeln der Erwachsenensprache nicht einfach "entdecken", sondern zunächst eigene Theorien, sogenannte Eigenregeln, entwerfen, wie denn wohl einzelne sprachliche Formen verwendet werden. Sie passen sich dann über den Vergleich mit der gehörten Sprache nach und nach der Sprache der Erwachsenen an.
In diesem Projekt werden die Besitzbezeichnungen wie "Mamas Brille" oder "mein Teddy" auf Eigenregeln etwa im Gebrauch von pronominalen und nominalen Formen untersucht. Dazu werden Kinder zweier Sprachgemeinschaften untersucht, deren Zielsprache sich in wichtigen Bereichen des Pronomengebrauchs unterscheiden. So wird im Italienischen das Pronomen häufig weggelassen und in einer klitischen Form dem Verb hinzugefügt. Damit wird es syntaktisch Teil des Verbs. Im Deutschen existieren Pronomen expliziter.
Da der Entwicklungsverlauf im Bereich des Erwerbs grammatischer Regeln zu einem großen Teil kognitiv bestimmt ist, sollten sich Gemeinsamkeiten in der Entwicklung der Possessivkonstruktionen finden lassen. So könnte beispielsweise das bei deutschen Kindern gefundene frühere Auftreten der Formen des Pronomens "mein" im Vergleich zum entsprechenden Pronomen der zweiten Person Singular "dein" auch bei Kindern anderer Sprachgruppen gefunden werden, wenn es mit dem bekannten Egozentrismus des Kleinkindes in Verbindung steht.
Der Einfluß der Merkmale der jeweiligen Muttersprache auf die Sprachentwicklung sollte an Unterschieden zwischen beiden Sprachgruppen erkennbar sein. So könnten die Kinder beider Gruppen beispielsweise verschiedene Fehlerstrukturen bei der Verwendung der Pronomen aufweisen, bedingt durch verschiedenartige Verwendung in der Zielsprache.
Es wird die Entwicklung zweier Gruppen von Kindern untersucht: deutscher Kinder mit deutschen Eltern, die in Deutschland leben sowie italienischer Kinder mit italienischen Eltern, die in Italien leben. So kann der Einfluß der Umgebungssprache objektiv geprüft werden.
Ziel des Projekts ist das Erheben einzelner Entwicklungsverläufe, die die kognitive Aktivität des einzelnen Kindes beim Erwerb der Possessivkonstruktionen seiner Muttersprache erkennbar werden lassen.
Zeitraum: April 1997 bis 1999
Betreuer: Werner Deutsch, Christopher Habel
Schwerpunkt: Sprachentwicklung und Sprachentwicklungsstörungen
Sprachproduktion und Sprachverstehen
Externe Vorträge während der Kollegiatenzeit:
Februar 1997:
"Das ist aber mein Sarah" - eine Längsschnittanalyse der Entwicklung von Possessivkonstruktionen bei 93 Einzel-, Geschwister- und Zwillingskindern. Vortrag, gehalten auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sprachwissenschaft in Düsseldorf, 26.-28.2.1997.
April 1997:
"Die Grammatikalisierung des Besitzes: ein Vergleich der Entwicklung von Possessivkonstruktionen von deutschen und italienischen Kindern". Vortrag, gehalten am 22.4.1997 im Rahmen des Doktorandenkolloquiums des Instituts für Linguistik an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
Weitere relevante Aktivitäten:
1.1.1998 bis 15.7.1998:
Datenerhebung an sechs italienischen Kindern in Florenz, Italien
1.4.1998 bis 30.11.1998:
Teilnahme an einem Forschungsprojekt zur Sprachentwicklung von bi- und trilingualen Kindern (deutsch, englisch, italienisch) an der Universität Siena, Institut für Kommunikationswissenschaften
Publikationen:
  • Deutsch, W. und Ruff, C. (1999). Wie Kinder Besitz sprachlich zu markieren beginnen. In: J. Meibauer & M. Rothweiler (Hrsg.) Das Lexikon im Spracherwerb. Tübingen: Francke.
Postdoktoranden
Rehkämper, Klaus Bilder, Ähnlichkeit und Perspektive - Eine Untersuchung zu bildhafter Repräsentation
Kollegsprojekt
Welchen psychologischen Status haben Sinnesempfindungen? Dieses Forschungsprojekt verfolgt einen Ansatz, demzufolge Sinnesempfindungen kognitive mentale Episoden sind, und zwar analog repräsentierende mentale Episoden. Überlegungen hierzu wurden in Rehkämper (1991) präsentiert. Dort wurde u. a. auch davon ausgegangen, daß visuelles Wahrnehmen eng verbunden mit perspektivischem Sehen ist und daß perspektivische Bilder zu ihren Originalszenen in einem nicht konventionellen Repräsentationsverhältnis stehen. Nach Meinung von Panofsky und Goodman hingegen unterscheidet sich das Verhältnis perspektivisches Abbild - Originalszene nicht prinzipiell vom konventionell bestimmten Verhältnis Wort - bezeichneter Gegenstand; Goodman führt in seiner Kritik überdies ins Feld, daß einige natürlich wirkende Bilder gerade gegen bestimmte Regeln der Perspektive verstoßen müssen, um diesen Eindruck zu erzielen. Unter Bezugnahme auf die Geschichte der Perspektivtheorie, ihren Stellenwert in der gegenwärtigen wahrnehmungtheoretischen Diskussion (hier vor allen Dingen Gombrich vs. Goodman) und die Anatomie bzw. Physiologie des menschlichen Auges wird untersucht, ob diese Kritik stichhaltig ist.
Ein weiterer Punkt innerhalb dieses Projekts betrifft das Verhältnis der neuzeitlichen, kognitionswissenschaftlichen Diskussion um mentale Bilder - so der Terminus für die oben angesprochenen analog repräsentierenden, mentalen Entitäten - zu der Diskussion, die ihren Ausgang im englischen Empirismus genommen hat. Auch dort wurde schon ein enger Zusammenhang zwischen Wahrnehmen und Vorstellen, zwischen "impression” und "idea” (Hume) gesehen. Manche Argumente (z. B. Fodor), die heute vorgetragen werden, klingen so, als ob sie (allein) gegen die früheren Autoren gerichtet seien. Interessante Fragen in diesem Zusammenhang sind daher: (1) Welche Ähnlichkeit besteht zwischen einer modernen Theorie, die mentale Bilder als analoge Repräsentationen versteht, die sich in der (perspektivisch beschreibbaren) visuellen Wahrnehmung gründen, und den früher vorgetragenen Ansichten? (2) Bringt die kognitionswissenschaftlich geführte Debatte der 70er und 80er Jahre dieses Jahrhunderts neue Argumente in die alte Diskussion?

Literatur:
  • Rehkämper, K. (1991): Sind mentale "Bilder” bildhaft? - Eine Frage zwischen Philosophie und Wissenschaft. Philosophische Dissertation, Universität Hamburg 1991.
Zeitraum: Als Postdoktorand Juli 1991 bis September 1992
Kooperationspartner: Habel, Künne
Schwerpunkt: Visuelle Wahrnehmung und Aufmerksamkeit
Externe Vorträge während der Kollegiatenzeit:
13.11.1991:
"Sind mentale "Bilder" bildhaft?" im kognitionswissenschaftlichen Kolloquium der Universität Oldenburg (Prof. Dr. E. Scheerer)
Lehrveranstaltungen:
SS 1991:
Proseminar 2st.: "Kognitionswissenschafliche Probleme in der KI" (Universität Hamburg)
Sept. 1991:
Beckermann/Rehkämper: "Können Maschinen denken?" Kurs im Rahmen der 1. Herbstschule des Graduiertenkollegs Kognitionswissenschaft der Universität Hamburg 1991
WS 1991/92:
Ausgewählte Probleme der Philosophie des Geistes - Visuelle Wahrnehmung und mentale Bilder (Universität Oldenburg)
Publikationen (bis 1995):
  • Eschenbach, C., Habel, Ch., Herweg, M. & Rehkämper, K.(1989). Remarks on plural anaphora. In: Proceedings of the 4th Conference of the Association for Computational Linguistics, European Chapter, 10-12 April 1989, Manchester, England
  • Eschenbach, C., Habel, Ch., Herweg, M. & Rehkämper, K. (1990). Restriktionen für plurale Diskursanaphern. In: Felix, S.; Kanngießer, S.; Rickheit, G. (Hrsg.): Sprache und Wissen. Opladen: Westdeutscher Verlag
  • Mohnhaupt, M. & Rehkämper, K. (1990). Gedanken zu einer neuen Theorie der Kognition. Rezension von 'Terry Winograd/Fernando Flores: Erkenntnis Maschinen Verstehen. Zur Neugestaltung von Computersystemen'. Übersetzt von Ludwig Voet, mit einem Nachwort von Wolfgang Coy. Berlin: Rotbuch Verlag.' In: Kognitionswissenschaft 1, 1990, 36-45
  • Rehkämper, K. (1990). Ist der König von Frankreich weise? - Kritische Anmerkungen zu Russells 'theory of descriptions'. In: Sukale, M. (Hrsg.): Sprache, Theorie und Wirklichkeit. Frankfurt/M., Bern, New York, Paris: Peter Lang Verlag
  • Rehkämper, K. (1990). Mentale Bilder - Analoge Repräsentationen. In: Freksa, Chr.; Habel, Ch. (Hrsg.): Repräsentation und Verarbeitung räumlichen Wissens. Berlin: Springer Verlag
  • Rehkämper, K. (1991). Zur Behandlung pluraler Pronomen in der Theorie des Textverstehens von Sanford & Garrod. In: Sprache & Kognition 3, 1991, 136-147
  • Rehkämper, K. (1993). Picture yourself in a boat on a river - Über die Bildhaftigkeit mentaler Repräsentationen. In: Kognitionswissenschaft 3, 1993, 117-126
  • Rehkämper, K. (1994). Imagery and creativity - Kommentar zu Margaret Bodens "The creative mind" In: Behavioral and Brain Sciences 4, 1994, 500
  • Rehkämper, K. (1995). Brennt im Kopf ein Licht? - Die Debatte um mentale Bilder. In: Dencker, K.P. (Hrsg.): Interface 2 - Weltbilder Bildwelten. Hamburg: Verlag Hans-Bredow-Institut
  • Rehkämper, K. (1995). Analoge Repräsentationen. In: Sachs-Hombach, K. (Hrsg.): Bilder im Geiste: Zur kognitiven und erkenntnistheoretischen Funktion piktorieller Repräsentationen. Amsterdam, Atlanta: Rodopi
  • Rehkämper, K. (1995). "Perspektive ist des Malers beste Kunst" - Einige Bemerkungen zur Theorie der Perspektive kritisch betrachtet. In: LOGOS - Zeitschrift für systematische Philosophie, N.F. Bd. 2 (2) 1995, 122-146