Informatisches Kolloquium Wintersemester 2006/2007
Montag, 18. Dezember 2006
Dr. Andre Spiegel
Freie Software Beratung
Die Befreiung der Information
Das Internet als ein Massenphänomen ist kaum älter als zehn Jahre. Dennoch zeigt sich schon jetzt, dass es die Informationsprozesse in der Gesellschaft nachhaltig verändert. Es ist heute nicht nur Experten oder großen Unternehmen, sondern jeder Privatperson möglich, ein Musikstück, einen Brief, den Text eines Buches oder ein Bild augenblicklich an jeden beliebigen Punkt auf dem Globus zu transportieren, und zwar ohne dass dabei nennenswerte Kosten entstehen.
Diese technischen Möglichkeiten, die in der Geschichte der Menschheit einzigartig sind, haben bereits eine ganze Reihe von Projekten, Subkulturen und Bewegungen hervogebracht, deren Grundlage der freie, ungehinderte Austausch von Information ist. Dazu gehören die Ideen von Freier Software und Open Source, das Betriebssystem GNU/Linux und die Internet-Enzyklopädie Wikipedia. Diese Entwicklungen stellen aber auch eine Bedrohung für die Geschäftsmodelle großer Konzerne dar, wie sich heute vor allem in der Musik- und Filmindustrie zeigt. Die Antwort der Industrie besteht im sogenannten Digital Rights Management (DRM), worunter man letztlich den Versuch verstehen muß, der Öffentlichkeit den universell einsetzbaren Computer, der beliebige Bits von A nach B bewegen kann, wieder wegzunehmen. Er soll ersetzt werden durch Geräte, die nur noch solche Operationen zulassen, mit denen die Konzerne einverstanden sind.
In meinem Buch "Die Befreiung der Information" habe ich diese Vorgänge so beschrieben, dass auch Nicht-Informatiker sie verstehen und einschätzen können. Im Kolloquium werde ich sie aus der Perspektive der Informatiker darstellen und nach den Auswirkungen auf unser Berufsbild fragen.
Kontakt
Prof. Dr. C. Floyd
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