Wahl von Prof. Brunnstein zum IFIP-Präsidenten
(September 2002)
Mit besonderer Freude teilt der Fachbereich Informatik der Universität
Hamburg mit, dass das langjährige Mitglied des früheren Instituts
für Informatik und jetzigen Fachbereichs Informatik, Dr. Klaus Brunnstein (im Bild rechts),
Professor für Anwendungen der Informatik, von der Generalversammlung
der Welt-Informatik-Organisation IFIP (International Federation for Information
Processing) Anfang September mit überwältigender Mehrheit zum
Präsidenten für den Zeitraum 2002-2004 gewählt wurde. Der
Fachbereich Informatik betrachtet die Wahl zum IFIP-Präsidenten auch
als besondere Würdigung der wissenschaftlichen und wissenschaftspolitischen
Leistungen von Prof. Brunnstein auf internationaler Ebene.
Die Welt-Informatik-Organisation IFIP wurde am 1. Januar 1960 auf Anregung der im Rahmen der Vereinten Nationen für die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit zuständigen UNESCO (United Nations Educational, Scientific, and Cultural Organisation) gegründet, wobei unter den 13 Gründernationen auch die Bundesrepublik Deutschland durch die Gesellschaft für Informatik (GI e.V.) vertreten war. Die IFIP unterstützt die UNESCO und andere UN-Organisationen mit ihrem einschlägigen Wissen über neue Informatik- und IT-Trends in der Funktion als "Nicht-Regierungs-Organisation" (NGO), insbesondere auch im Hinblick auf den 2003 in Genf stattfindenden "Weltgipfel der Informations-Gesellschaft" (World Summit on Information Society, WSIS-2003).
Entsprechend den UN-Regelungen entsendet jedes Land - zurzeit sind über 60 Länder vertreten - einen Vertreter in die IFIP-Generalversammlung. Die IFIP wird von einem Präsidenten sowie einem "Executive Board" mit (4) Vize-Präsidenten als auch einem Schatzmeister ("Treasurer") und einem "Secretary" geleitet. Bisher haben 5 deutsche Vertreter die Funktionen eines Vizepräsidenten wahrgenommen, darunter Prof. Dr. Wilfried Brauer (erster Professor und zweiter Ehrendoktor des hiesigen Fachbereiches nach dem Pionier Prof. Konrad Zuse) sowie Prof. Dr. Klaus Brunnstein (ab 2000), der als nunmehr erster deutscher Vertreter das Präsidentenamt übernommen hat.
Die wichtigsten Aufgaben der IFIP sind die Förderung der Entwicklung der Informatik, ihrer Anwendungen und der Informatik-Ausbildung mit hoher fachlicher Kompetenz in Verbindung mit verantwortlichem Handeln. Die Arbeit wird in (12) Technischen Komitees, in über 70 Arbeitsgruppen sowie in zahlreichen Konferenzen und durch Publikationen geleistet. Im Zwei-Jahres-Rhythmus findet ein Informatik-Weltkongress statt (zuletzt im August 2002 in Montreal, der letzte Kongress im deutschsprachigen Raum fand 1994 in Hamburg statt), auf dem die neuesten Entwicklungen vorgestellt und diskutiert werden. Prof. Brauer (s.o.) wurde übrigens im Rahmen des diesjährigen Informatik-Weltkongresses in Montreal von Prof. Brunnstein der "IFIP Isaac L. Auerbach Award" überreicht, der als eine der höchsten Auszeichnungen in der Informatik gilt.
Prof. Brunnstein vertritt die deutsche Informatik seit 1975 auch auf internationaler Ebene im Themengebiet "Computer und Gesellschaft"; das entsprechende Technische Komitee (TC-13) der IFIP hat er von 1990 bis 1995 geleitet. Er hat sich besonders für die Gestaltung des Datenschutzes sowie für die Beherrschbarkeit von IT-Systemen durch den Menschen eingesetzt. Zu diesen Themen hat er seit 1988 (damals erstmals an einer europäischen Universität) ein 4-semestriges Studienangebot im Bereich "IT-Sicherheit/Datenschutz" entwickelt, welches auf großes Interesse der Studierenden stieß und immer noch stößt. Vor allem seine wissenschaftlichen Arbeiten zur Aufklärung von Computer- und Netzunfällen (u.a. im "Virus Test Center" am Fachbereich Informatik) sowie zur Risiko- und Notfallvorsorge haben weltweite Beachtung gefunden.
Gerade für Hamburg ist das in der Informatik hochaktuelle Thema "IT-Sicherheit" auch in Verbindung mit Datenschutz von besonderer Bedeutung, wird doch Computer- und Netztechnik von vielen Unternehmen, Behörden und Organisationen als wesentlicher Faktor eingesetzt. Von der Einhaltung gesetzlicher Regelungen etwa des Datenschutzes abgesehen, führt dieser hohe Einsatzgrad von Informatik-Systemen bei deren Ausfall zugleich zu einer hohen Verletzlichkeit, der es durch geeignete Maßnahmen zu begegnen gilt. Es ist zudem unstrittig, dass e-Services (wie etwa e-Business, e-Health, e-Government sowie m-Commerce) aber auch wissenschaftlich-experimentelle Telekooperation über das Internet ohne adäquate Berücksichtigung von "IT security and privacy" nicht mehr denkbar sind. Der Fachbereich Informatik misst dem wissenschaftlichen Fachgebiet IT-Sicherheit daher eine hohe Bedeutung bei und sieht einen Bedarf an interdisziplinärer Zusammenarbeit insbesondere mit Juristen (z.B. Internet-Recht) und Wirtschaftswissenschaftlern (z.B. e-Commerce) sowie einschlägig tätigen Unternehmen in Hamburg. Auch aus ökonomischer Perspektive ist und bleibt IT-Sicherheit ein Wachstumsmarkt, der entsprechend ausgebildeten Informatik-Absolventen sehr gute Karrierechancen eröffnet.
Der Dekan des Fachbereichs Informatik,
Prof. Dr.-Ing. H. Siegfried Stiehl