Modulbeschreibung Informatik im Kontext
Bachelor-Pflichtmodul: Informatik im Kontext
1. Modulkennung
IP10
2. Studiengang:
Bachelorstudiengang Informatik
3. Modulbezeichnung:
Informatik im Kontext (IKON), engl.: Informatics in Context
4. Modul-Verantwortliche(r):
Horst Oberquelle
5. Veranstalter/Dozent(in):
Christopher Habel, Horst Oberquelle, Arno Rolf, Ingrid Wetzel
6. Sprache:
Deutsch
7. Motivation, Bedeutung für / Stellung im Gesamtprogramm
Der Einsatz von Informatiksystemen ist keineswegs nur durch technik-immanente Sachzwänge gesteuert. Deshalb dient dieses Pflichtmodul dazu, die Studierenden mit Wechselwirkungen von Informatiksystemen und Einsatzkontext vertraut zu machen. Dazu ist es notwendig, Grundkenntnisse zu den Kontexten Mensch, Organisation und Gesellschaft in Beziehung zu Gestaltungsentscheidungen zu setzen. Das Modul vermittelt sowohl Verfügungs- als auch Orientierungswissen. Orientierungswissen versetzt Studierende in die Lage, die Einbettung informatischer Methoden und Modelle in sich dynamisch verändernde, auch global geprägte Anwendungs- und gesellschaftliche Kontexte vorzunehmen. Es soll sowohl die Verstehens- und Deutungskompetenz als auch interkulturelle Qualifikationen der Studierenden fördern.
8. Lernziele/Kompetenzen
Die Studierenden erkennen, dass Einsatz- und Nutzungskontexte Anforderungen an die Entwicklung von Informatiksystemen stellen und umgekehrt Informatiksysteme Wirkungen auf die jeweiligen Kontexte entfalten. Dazu ist es notwendig, Faktenwissen menschlicher Informationsverarbeitung und zur Analyse von Anwendungskontexten zu erwerben. Die Absolventen sollen die Fähigkeit haben, Akteure aus den Kontextdisziplinen in ihren Problemen mit Informatiksystemen zu verstehen und mit ihnen zu kooperieren.
8.1 Passung Leitbild
Die Veranstaltungen dieses Moduls vermitteln, neben Erkenntnissen und Wissen über Informatikinhalte, Qualifikationen, die kognitionswissenschaftliche, arbeitswissenschaftliche organisatorische und gesellschaftliche Kontexte bei der Entwicklung und Anwendung von Informatiksystemen berücksichtigen (Kontextualisierung). Das Modul wird auch Entwicklung und Selbstverständnis der Disziplinen Informatik bzw. Wirtschaftsinformatik thematisieren. Ein Ziel ist, die Kompetenz zur Einordnung des eigenen fachlichen Handelns in historische, gesamtgesellschaftliche und ökonomische Zusammenhänge zu stärken, sowie die Fähigkeit zu vermitteln, die Informatik in der Interaktion mit anderen Disziplinen zu verstehen. Dieses Orientierungswissen kann Überblick und Sicherheit bei der Einschätzung neu aufkommender Entwicklungen geben und Potenziale entwickeln, in der Praxis verbreitete Moden und Mythen frühzeitig zu erkennen. Es verschafft Erkenntnisse, wie die Dinge in einer globalen Ökonomie zusammenhängen. Und es ist ein Versuch, Expertenwissen, Bildung und Persönlichkeitsentwicklung zusammenzubringen. Es stärkt die Studierenden, sich in einer Welt, in der sich das Rad der Innovationen und gesellschaftlichen Veränderungen immer schneller dreht, zurecht zu finden. Es ist ein notwendiges Angebot, um die exzellenten Absolventen auszubilden, die Wirtschaft und Politik für die Herausforderungen des globalen Wettbewerbs fordern. Es sind Kompetenzen - neben fachlicher Expertise - , die Universitäten wecken müssen, um Exzellenz und Spitzenleistungen in Zeiten von Globalisierung und Wissensgesellschaft zu entwickeln.8.2 Grundlagen-/Faktenwissen
- Grundlagen der natürlichen Informationsverarbeitung aus den Bereichen der Kognitions- und Neurowissenschaften
- Probleme und Gestaltungsoptionen der Mensch-Computer-Interaktion
- Kennenlernen der Zusammenhänge von informatischem Modellieren und organisatorischem Formalisieren,
- Einblick erhalten in Wissenschaftsverständnis und Leitbilder von Informatik und Wirtschaftsinformatik,
- Erlernen der Analyse und Gestaltung von Organisationskontexten und Techniknutzungspfaden sowie der sich bedingenden historischen Entwicklung von Informationstechnik und Organisationen,
- Einblick in Ansätze der Wirkungsanalyse über Folgen von Informatisierung und Globalisierung.
8.3 Methodenwissen
Die Veranstaltungen sollen den Studierenden Methodenwissen vermitteln, das sie in die Lage versetzt, Arbeit und technische Systeme in relevanten ökonomischen, juristischen, sozial- und arbeitswissenschaftlichen Kontexten zu verstehen,
- Kennenlernen von Methoden, Modellen und Theorien der empirischen Kognitions- und Neurowissenschaften als Grundlage für ein Verständnis empirischer Untersuchungen zur MCI,
- Kennenlernen von Ansätzen zur Untersuchung der Gebrauchstauglichkeit,
- Kennenlernen von Methoden, Modellen und Theorien der Entwicklung von Arbeit, Beschäftigung, Organisationen,
- Kennenlernen des methodischen Vorgehens bei Datenschutz und Urheberrecht,
- Wissen über Methoden der interdisziplinären Innovations- und Technikforschung.
8.4 Transferkompetenz
- In der Lage sein, interdisziplinäre Erkenntnisse bei der Gestaltung von Informatiksystemen zu berücksichtigen,
- Bedeutung von gesellschaftlichen organisatorischen und gesellschaftlichen Kontexten einschätzen zu können.
8.5 Normativ-bewertende Kompetenz
- Erkennen der Wechselwirkungen von Informatiksystemen und globalen Gesellschaften,
- Erkennen der interdisziplinären Verankerung der Informatik,
- den berufsqualifizierenden Wert von Orientierungswissen erkennen,
- Technikfolgen von Informatiksystemen bewerten können,
- die Relevanz von Regulierungen und makroökonomischen Theorien für die Gestaltung von Informatiksystemen erkennen können,
- die gesellschaftliche Bedeutung von Open-Source-Entwicklungen einschätzen können,
- Pfadoptionen, wie Wissensökonomie, Wissensgesellschaft, nachhaltige Entwicklung, bewerten können
8.6 ABK/BOK/Schlüsselqualifikationen
- Vermittlung von Qualifikationen für ein tieferes Verständnis der Berufspraxis,
- Entwicklung von Orientierungspotenzialen für die Rolle von Informatikern in der Gesellschaft,
- die Studierenden werden in die Lage versetzt, informatische Fragestellungen basierend auf Erkenntnissen anderer Disziplinen zu bearbeiten,
- Wissen und Kompetenzen aus diesen Veranstaltungen vermitteln wichtige Grundlagen für die Wahrnehmung von Verantwortung durch den Informatiker, indem sie sein gesellschaftliches und ethisches Verantwortungsbewusstsein stärken
9. Lehrveranstaltungen
Das Modul besteht aus zwei Vorlesungen.
-
V1: Grundlagen der Mensch-Computer-Interaktion (2 SWS, Habel + Oberquelle)
- V2: Informatiksysteme in Organisationen und Gesellschaft (2 SWS, Rolf / Wetzel)
Innerhalb jeder Vorlesung werden die Teilnehmenden mit kleinen Aufgaben interaktiv in die Stoffverarbeitung einbezogen.
10. Inhalt
10.1 Vorlesung Grundlagen der Mensch-Computer-Interaktion
- Einführung in die Problematik (Sitzung 1: Habel + Oberquelle)
Mensch-Computer-Interaktion als „Interaktives Problemlösen“, Zusammenspiel von menschlicher und maschineller Informationsverarbeitung- Grundlagen natürlicher Informationsverarbeitung (Sitzungen 2 – 7: Habel)
Funktionsweise neuronaler Systeme, Geist und Gehirn – Software und Hardware; Wahrnehmung (Schwerpunkt: visuelle Wahrnehmung, mit Überblick über auditive und haptische Wahrnehmung); Gedächtnis, Denken und Handeln; Kommunikation (Schwerpunkt: Sprache mit Überblick über nichtsprachliche Kommunikation)- Software-Ergonomie und Mensch-Computer-Interaktion (Sitzungen 8 – 13: Oberquelle)
Interaktive Systeme im Kontext; Ziele und Grundbegriffe der Software-Ergonomie; rechtlicher Rahmen; Fallbeispiele der Mensch-Computer-Interaktion; Analyse in Bezug auf natürliche Informationsverarbeitung und Arbeitsgestaltung, Gestaltungsalternativen- Zusammenfassung und Ausblick auf Wahlpflichtmodule (Sitzung 14: Habel + Oberquelle)
10.2 Vorlesung Informatiksysteme in Organisationen und Gesellschaft
- Wissenschaftstheoretische Grundlagen
- Informatisches Modellieren und organisatorisches Formalisieren
- Zum Wissenschaftsverständnis von Informatik und Wirtschaftsinformatik (u.a. die semiotische Perspektive der Informatik)
- Gestaltung von Organisationskontexten und Informationstechnik
- Leitbilder in Modellen der Softwaretechnik und Wirtschaftsinformatik (u.a. homo oeconomicus, homo technicus, handelnde Akteure in Arenen und Strukturen)
- Analyse und Gestaltung von Techniknutzungspfaden: Von Taylor und Ford über Prozessorganisation zu Netzwerkorganisationen bzw. von der Stapelverarbeitung über client/server zu Web-Services und E-commerce
- Innovationstheorien (u.a. geplante und ungeplante Innovationen).
- Informatik und (globale) Gesellschaft
- Governance und Regulierungen, makroökonomische Theorien und globale ökonomische Einbettung, Open-Source und Formen der Technikentwicklung
- Wirkungsanalyse: Folgen von Informatisierung und Globalisierung, Modelle und Theorien der Entwicklung von Arbeit, Beschäftigung, Organisationen, Datenschutz, Kultur und Umwelt. Resultate der interdisziplinären Innovations- und Technikforschung.
- Pfadoptionen und Roadmapping: Wissensökonomie, Wissensgesellschaft, nachhaltige Entwicklung
11. Bezüge zu anderen Modulen
- Innerhalb des Studienganges: Dieses Modul legt die Grundlagen für eine Reihe von Wahlpflichtmodulen, insbesondere Mensch-Computer-Interaktion, Informatik-gestützte Gestaltung und Modellierung in Organisationen und Grundlagen der Wissensverarbeitung.
- Im konsekutiven Masterstudiengang: Das Modul schafft Grundlagen für das Wahlpflichtmodul Interaktives Visuelles Computing.
- In anderen Studiengängen: Dieses Modul eignet sich als Nebenfachmodul sowie als Bestandteil von Wirtschaftsinformatik-Studiengängen. Darüber hinaus ist ein Einbringen als Wahlmodul in weitere Studiengänge denkbar.
12. Modulvoraussetzungen:
Verbindlich: keine
Empfohlen: keine
13. Semester, Studienjahr/-phase:
Studienabschnitt: 1
Referenzsemester: 4
Empfohlenes Semester: 1, 2
14. Prüfungsleistungen:
In der Regel gemeinsame Modulprüfung für alle Lehrveranstaltungen des Moduls; in der Regel schriftlich (Klausur) und in deutscher Sprache; bei Modusabweichungen bzw. Aufteilung in 2 Teilprüfungen zu den beiden enthaltenen Lehrveranstaltungen Bekanntgabe zu Beginn der Veranstaltung
15. Bewertung (Leistungspunkte):
Gesamt: 6 Leistungspunkte
(Grundlagen der Mensch-Computer-Interaktion: 3 Leistungspunkte,
Informatiksysteme in Organisationen: 3 Leistungspunkte)
16. Periodizität:
Winter- (Beginn) und Sommersemester, jährlich, Dauer: 2 Semester
17. Methodische Aufbereitung und Medienformen (Stichworte):
Vorlesungen mit interaktiven Folien per Beamer, Overhead und Tafel.
Vorlesungs- und Übungsmaterial wird online oder gedruckt zur Verfügung gestellt.
Innerhalb jeder Vorlesung werden die Teilnehmenden mit kleinen Aufgaben interaktiv in die Stoffverarbeitung einbezogen.
Integrierten Übungen.
18. Literatur:
- Daniel N. Osherson (Ed.). An Invitation to Cognition. Cambridge, MA: MIT-Press. [2nd edition, 1995-98]
- Vol. 1: Language, edited by Lila R. Gleitman and Mark Liberman
- Vol. 2: Visual Cognition, edited by Stephen M. Kosslyn and Daniel N. Osherson
- Vol. 3: Thinking, edited by Edward E. Smith and Daniel N. Osherson
- Vol. 4: Methods, Models, and Conceptual Issues, edited by Donald Scarborough and Saul Sternberg
- Heinecke, A. (2004). Mensch-Computer-Interaktion. Fachbuchverlag Leipzig/Hanser, München.
- Shneiderman, B., Plaisant, C. (2005). Designing the User Interface. Strategies for Effective Human-Computer Interaction. 4th edition, Pearson Education
- Rolf, A. (2004). Informatiksysteme in Organisationen und globalen Gesellschaften, Skript WS 2004/2005, 126 S.