Verleihung der Ehrendoktorwürde an
Prof. Dr. hc. mult. Joseph Weizenbaum
“In Anerkennung seiner außerordentlichen wissenschaftlichen Leistungen in mehreren Bereichen der Informatik, insbesondere in Würdigung seines Lebenswerkes im Fachgebiet Informatik, Mensch und Gesellschaft und damit zusammenhängend der prägenden Wirkungen, durch die er mit seinem Gründungsvortrag (1971) die Entwicklung dieses Fachbereichs beeinflusst hat”
Anlässlich des 80. Geburtstages von Professor Dr. h.c. mult. Joseph Weizenbaum, emeritierter Professor für Computer Science am international renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT, Cambridge, USA), veranstaltet der Fachbereich Informatik der Universität Hamburg im Januar 2003 ein Festkolloquium. In diesem Rahmen wird Prof. Weizenbaum, einer der weltweit bekanntesten Kritiker des unreflektierten Computereinsatzes, mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet.
Prof. Weizenbaum ist nach Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Konrad Zuse, dem Erfinder des modernen Computers, Prof. Dr. Dr. h.c. Wilfried Brauer, dem ersten Informatik-Professor der Universität Hamburg sowie Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Lotfi A. Zadeh, dem Begründer der Fuzzy Logic, der vierte international bedeutende Wissenschaftler, dem diese Ehre zuteil wird.
Prof. Weizenbaum kann als einer der Taufpaten der Hamburger Informatik betrachtet
werden:
Zusammen mit anderen renommierten Informatikern war er vor über 30 Jahren
einer der viel beachteten Referenten bei der Gründung des Hamburger Instituts für
Informatik im Jahre 1971. Seine damals bereits vorgetragenen Überlegungen zu und
Warnungen vor einem zu unreflektierten Einsatz von Computern arbeitete er 1976 in
seinem Hauptwerk "Computer Power and Human Reason" aus, welches auch in
deutscher Übersetzung erschien. Dieses Buch hat eine weltweit einmalige Debatte über
die Gefahren des Computereinsatzes ausgelöst und auch die inhaltliche Ausrichtung von
Wirkungsforschung und Sozialorientierung im Fachbereich Informatik mitgeprägt.
Joseph Weizenbaum wurde am 8. Januar 1923 in Berlin geboren. Die jüdische Familie Weizenbaum verließ 1935 Deutschland und ging in die USA. Joseph Weizenbaum studierte Mathematik, arbeitete in der Industrie und wurde früh Professor am MIT. Dort war er einer der Pioniere für Techniken im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Die Programmiersprache SLIP und das Programm ELIZA, das einen Psychotherapeuten simulierte, waren Meilensteine. Anfang der 70er Jahre distanzierte er sich von diesem Forschungsgebiet und äußerte sich zunehmend kritisch vor allem zu dessen überzogenen Versprechungen. Weizenbaum lehrte bis zu seiner Emeritierung am MIT, war zwischenzeitlich als Gastprofessor an vielen Universitäten (z.B. Stanford, Berlin, Freiburg, Bremen, Hamburg) und erhielt vielfältige Ehrungen (zuletzt 2002 den Vision 97-Preis der Dagmar-und-Vaclav-Havel-Stiftung in Prag). Heute lebt Prof. Weizenbaum wieder in Berlin, seiner Vaterstadt, und ist noch immer wissenschaftlich und politisch sehr aktiv.
Für die Laudatio konnte Prof. Dr. Dr. h.c. Wilfried Brauer (TU München), der Träger des international herausragenden IFIP Isaac L. Auerbach Award 2002, gewonnen werden.
Der festliche Rahmen wurde durch das großzügige Sponsoring durch drei mit dem Fachbereich verbundene Einrichtungen ergänzt: die Hamburger Forschungs- und Beratungsstelle Informationstechnologie FORBIT, das Hamburger Informatik Technologie-Center HITeC e.V. und das Hamburger Informatik-Forum HIForum e.V.
Dokumentation des Festkolloquiums zum Download
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Joseph Weizenbaum ist am 5. März 2008 in Berlin gestorben.
