Berechnet wird also für einen einzugebenden Graphen mit
einzugebenden Intaktwahrscheinlichkeiten für seine Kanten die
Wahrscheinlichkeit dafür, dass alle Knoten aus der zu markierenden
Teilmenge K aller Knoten des Graphen miteinander verbunden
sind.(Literatur zum Thema u.a. Heidtmann K., Zuverlässigkeitsbewertung
technischer Systeme, Teubner, 1997).
Während bei K-Graphen die Komponenten einer bestimmten fest vorgegebenen Teilmenge K der Menge N der Systemkomponenten intakt sein sollen, wird bei der folgenden Zuverlässigkeitsstruktur lediglich eine Anzahl k der n Systemkomponenten vorgegeben, die intakt sein sollen. Somit ist das System intakt für jede Teilmenge K, die mindestens k intakte Komponenten enthält, d.h. n >= |K| >= k mit n=|N|.
Auswahlsysteme bilden eine besonders wichtige Klasse von Zuverlässigkeitsstrukturen,
u. a. im Bereich der fehlertoleranten Rechen- und Kommunikationssysteme und insbesondere
in verteilten Systemen. Dabei wird durch redundante Komponenten erreicht, dass
ein Fehlverhalten einer beliebigen, jedoch entsprechend kleinen Auswahl von
Systemkomponenten nicht mehr zwangsläufig zum Ausfall des Gesamtsystems führt.
Von Bedeutung ist also die Wahrscheinlichkeit, mit der mindestens k
der n Systemkomponenten intakt sind unter Vorgabe der Intaktwahrscheinlichkeiten
der Komponenten und der Annahme der stochastischen Unabhängigkeit ihres Ausfallverhaltens.
Eine Anwendungsmöglichkeit besteht darin, durch eine Auswahl bzw. Abstimmung
(voting, mindestens k von n Komponenten stimmen überein)
fehlerhafte Komponenten zu überstimmen und damit deren fehlerhaftes Verhalten
auszublenden, z. B. durch Mehrheitsentscheidung (majority voting). Man spricht
in diesem Zusammenhang auch von Fehlermaskierung mit Hilfe einer k-von-n
Zuverlässigkeitsstruktur (k-out-of-n structure).
Von besonderer Bedeutung ist das Entscheidungskriterium der absoluten Mehrheit, dabei ist k
gleich einer natürlichen Zahl grösser oder gleich n/2. In vielen Fällen wird die Redundanz durch
n-fache Vervielfältigung (n-fache Replikation, N Modular Redundant, NMR)
einer Komponente hergestellt, insbesondere bei verteilten Systemen liegt eine
Anwendung durch die Replikation von Dateien und Prozessen sowie durch Verteilen
der Kopien auf unterschiedliche Netzknoten nahe. Besonders häufig werden 2-von-3
Systeme verwendet, die auch als TMR-Systeme (Triple Modular Redundant) bezeichnet werden.
Ein allgemeinere Klasse von Zuverlässigkeitsstrukturen bilden die k-bis-l-von-n
Systeme (k-to-l-out-of-n structure). Sie bestehen aus n Komponenten und
sind genau dann intakt, wenn mindestens k und höchstens l der
n Systemkomponenten intakt sind. Ist l gleich n, so liegt
ein k-von-n System vor. Somit sind die k-von-n Systeme in dieser Klasse vollständig
enthalten. Aufgrund ihrer regelmäßigen Zuverlässigkeitsstruktur lassen sich Systeme
aus dieser Klasse leicht beschreiben und ihre Zuverlässigkeitskenngrößen unter der
Annahme der stochastischen Unabhängigkeit sehr effizient berechnen, z. B. mit
dem vorliegenden Werkzeug. Deshalb werden sie häufig auch zur Approximation
komplexerer Systeme herangezogen.
(Literatur zum Thema u. a. Heidtmann K., "Zuverlässigkeitsbewertung technischer Systeme",
Teubner, 1997 und Kuo W., Zuo M.J., "Optimal Reliability Modeling: Principles and Applications",
Wiley, 2002)
Ausführliche Darstellung in: Heidtmann K., Wolfinger B., Analytische
Leistungsbewertung von Videokommunikation gemäss H.261 über verlustbehaftete
Paketvermittlungsnetze, 10. GI/ITG-Fachtagung über Messung, Modellierung
und Bewertung von Rechen- und Kommunikationssystemen MMB'99, Trier, September
1999, 87-104 (0.5 MB Postscript)