Arbeitsbereich WSVFachbereich Informatik
Universität Hamburg

18.476 Oberseminar Wissens- und Sprachverarbeitung

Veranstalter
 Carola Eschenbach
Christopher Habel
Frank Schilder
Hedda Schmidtke
Markus Guhe
Zeit/Ort
 Di 16 - 18 F-535
Inhalt
  Vorträge über Vorhaben und Ergebnisse von Studien- und Diplomarbeiten, laufenden Dissertationen und Drittmittelprojekten sowie von anderen Forschungsarbeiten aus dem Bereich der Wissens- und Sprachverarbeitung. Insbesondere wird der interdisziplinäre Charakter des Forschungsschwerpunktes berücksichtigt, d.h. die Integration von Ansätzen der Informatik, Linguistik, Logik und Psychologie steht im Vordergrund der Arbeiten.
Termine
 15.04.2003 
  Hedda Schmidtke
Räumliche Granularität zur kontextabhängigen Repräsentation ausgedehnter Objekte
   Wenn man eine Karte betrachtet, erscheinen Straßen und Flüsse als Linien. Und tatsächlich können diese Objekte in bestimmten räumlichen Kontexten auch Eigenschaften linearer Entitäten haben: eine Straße hat zwei Straßenseiten, Flüsse fungieren als Grenzlinien zwischen (planaren) Ländern. In anderen Kontexten gilt dies nicht: Will man z.B. eine Straße überqueren, so ist gerade ihre Breite relevant. Auf verschiedenen Granularitätsebenen sollte daher auch die Konzeptualisierung von Objekten variieren. Im Vortrag wird eine geometrische Spezifikation räumlicher Granularität vorgestellt, die Mittel bereitstellt, um Objektregionen relativ zu einem räumlichen Kontext als punktuell, linear oder planar klassifizieren zu können. Objektregionen und Kontext werden dazu auf Größenintervalle abgebildet, die dann verglichen werden können. Die aufgestellte Klassifikation der lokalen Ausdehnung von Objekten kann z.B. für die formale Spezifikation der Semantik von Routeninstruktionen verwendet werden. Dies wird am Beispiel der Konstruktionen "an X entlang gehen" und "an X vorbei gehen" skizziert: Die beiden Konstruktionen unterscheiden sich vor allem in der verlangten lokalen Ausdehnung des Objektes X.
 22.04.2003 
  Christopher Habel
Incremental Generation of Multimodal Route Instructions
  Human produced route instructions are usually conveyed either verbally in spoken discourse or by written texts, or by graphical means, i.e. by illustrating the route in a map or by drawing sketch-maps, or by combining both kinds of external representations. Whereas verbal route instructions focus on the actions to be performed and take the spatial environment only as the frame for these actions, maps and other pictorial representations foreground the spatial environment without possessing adequate means for representing the actions. Today, in the time of World Wide Web and Geographical Information Systems, way-finding queries can be given to systems, which provide 'driving directions' containing canned text as well as different types of maps. In this paper I describe the principles and the architecture underlying a system for generating multimodal route instructions combining natural language route descriptions and visualizations of the route to follow, such that the strengths of both means for communication route knowledge are brought together.
 29.04.2003 
  Carola Eschenbach
AXION - Axiomatic Ontologies Network
   Im Rahmenprogramm 6 des aktuellen EU-Förderprogramms im Bereich 'Technologien für die Informationsgesellschaft' wurde jetzt ein Antrag für ein Exzellenznetzwerk (Network of excellence) zum Thema 'axiomatische Ontologien' gestellt. Beteiligt sind Universitäten und Forschungseinrichtungen aus Trient, Turin, Toulouse, Leeds, Berlin, Leipzig und Hamburg mit insgesamt 39 promovierten WissenschaftlerInnen und 17 DoktorandInnen. Damit muss dieser Netzwerkantrag als klein angesehen werden. Ich möchte kurz und informell über diesen Antrag berichten, einerseits über die inhaltliche Ausrichtung, die geplanten Aktivitäten und die Hamburger Beteiligungsmöglichkeiten, andererseits aber auch über die Einbettung und Struktur eines solchen EU-Antrags und die Erfahrungen bei der Antragstellung.
 06.05.2003 
  Frank Schilder
Erste Vorüberlegungen zu einer Theorie von Demonstrativa und deiktischer Gestik
   Verschoben auf den 27.05.2003
 13.05.2003 
  Vincente Mendes
Routendirektiven und die Semantik-Pragmatik Schnittstelle
  Der Vortrag argumentiert für die Unhaltbarkeit eines hieb- und stichfesten Unterschieds zwischen Semantik und Pragmatik bei der Konzeption, sprachlischen Kodierung und Verarbeitung von jeder Äußerungsbedeutung, da diese 2 Domänen sich wohl in ständiger Interaktion befinden. Die kognitive Plannung, Verbalisierung und Interpretation von Routendirektiven kann dies z.B. zeigen. Für die Analyse von Wegauskünften im geschriebenen Deutsch, die einem Korpus von Routeninstruktionen innerhalb Hamburgs entnommen sind, wird eine Methodologie - angeregt durch Werths Sprach-Blasen-Modell - benutzt, um das Argument zu verteidigen. Es handelt sich um eine ausdrücklich makro-linguistische Version der Theorie der Mentalen Räume von Fauconnier, denn das Modell behandelt Performanz nicht auf der Satz-Ebene. Stattdessen bevorzugt es eine Textbetrachtungsweise, um die natürlich vorkommenden Daten zu zerlegen und nimmt deswegen eindeutig eine Diskursperspektive ein.
 20.05.2003 
  Michael Wessel
Beschreibungslogiken für räumliche Informationssysteme
   In meinem Promotionsvorhaben untersuche ich, inwiefern sich eine spezielle Klasse von aus der KI bekannten Wissensrepräsentations- sprachen, sogenannte Beschreibungslogiken, gewinnbringend zur Verwirklichung eines "intelligenten" räumlichen Informationssystemes nutzen lassen. Das räumliche Informationssystem könnte z.B. durch ein Geographisches Inforationssystem (GIS) gegeben sein. "Intelligenz" für ein solches System soll hier im Wesentlichen durch die Ausnutzung logikbasierter Deduktion ermöglicht werden. Insbesondere sollen ausdrucksmächtige deklarative Anfragesprachen unterstützt werden und Konzept-Taxonomien (Ober-/Unterbegriffs-Systeme) im System Berücksichtigung finden. Da es sich bei Beschreibungslogiken um logikbasierte Repräsentationsformalismen mit wohldefinierter Semantik handelt, scheinen sie nicht zuletzt aufgrund der Entscheidbarkeit vieler dieser Sprachen ein geeignetes Fundament für ein solches System zu bilden. Zu den wohlverstandenen und gut untersuchten Standardinferenzen eines Beschreibungslogik-Systemes gehören u.a. Dienste wie Subsumptionsbestimmung zwischen Konzepten, automatisch Klassifikation von Daten bzw. "Objekten", und Konsistenzprüfung des Datenbestandes. Da die Daten in einem GIS sowohl räumliche als auch thematische Aspekte haben (z.B. "Dieses Polygon <räumlich> IST EIN See <thematisch>"), sollte eine entsprechende Beschreibungssprache Aussagen bzgl. beider Aspekte dieser Objekte ermöglichen. Während sich Aussagen bzgl. der rein thematischen Aspekte derartiger Konzepte mit Standardbeschreibungslogiken gut modellieren lassen, ist die Frage, inwiefern man Raumaspekte angemessen integrieren kann, ein weitgehend ungelöstes Problem. Im Vortrag werden zum Einen theoretische Erkenntnisse bzgl.geeigneter untersuchter Beschreibungslogiken für derartige Anwendungen vorgestellt (nicht zuletzt auch einige ungelöste Probleme), als auch ein prototypisches "intelligentes" GIS mit beschreibungslogischem Kern, welches Stadtkarten und qualitative räumliche Relationen verwendet.
 27.05.2003 
  Frank Schilder
Erste Vorüberlegungen zu einer Theorie von Demonstrativa und deiktischer Gestik
   Menschen können mit Sprache und Zeigegesten auf Objekte, Eigenschaften und Personen verweisen. Diese Fähigkeit erlaubt es uns, effektiv unter Einbeziehung der uns umgebenden Welt mit anderen Menschen zu kommunizieren. Eine Mensch-Maschine-Schnittstelle, die solches ermöglichte, würde die Interaktion mit dem Computer sehr erleichtern. Zumal die technischen Möglichkeiten zur Animation von virtuellen Agenten gegeben sind (z.B. Microsoft Agents). Vollkommen ungeklärt ist jedoch die Frage nach der Plannung von Zeigegesten: Wann soll und darf ein Agent eine Zeigegeste erzeugen, um damit auf ein bestimmtes Objekt verweisen zu können? Dieser Vortrag stellt erste Vorüberlegungen zu der oben skizzierten Problembeschreibung vor. Es werden erste Ansätze einer Theorie von Demonstrativa verbunden mit Gestik präsentiert: Die Ausführung einer Zeigegeste zusammen mit der Äußerung ``dieser Stuhl'' soll dabei allein aufgrund des semantischen Gehalts von Demontsrativa und der Erfassung der angezeigten Raumregion und der darin enthaltenen Objekte verstanden werden. Ich betrachte hierbei deiktische Gesten als Fokus-operator und den sprachlichen Input als weitere Restriktion, durch die das intendierte Objekt ausgezeichnet wird. In zukünftigen Arbeiten müssen aber noch weitere Faktoren bei der Auflösung der Referenz mit in Betracht genommen werden. Dieselbe Zeigegeste, die auf den Stuhl verweist, kann auch mit anderen sprachlichen Ausdrücken gepaart werden, mit recht unterschiedlichem Resultat: ``Dieser Teil des Raumes'', ``diese Farbe'' oder sogar ``Peter'' (auch wenn er gar nicht mehr dort sitzt).
 03.06.2003 
  Hedda Schmidtke Frank Schilder
Projekt: Multimodale Interaktion
   Das Projekt '18.332 Multimodale Interaktion' stellt erste Ergebnisse und Überlegungen zum weiteren Vorgehen zur Diskussion: Ziel des Projektes ist die Erstellung eines Prototypen, der verschiedenste Aspekte multimodaler Interaktion integriert. Der Prototyp soll ein charakterbasiertes Virtual-Storytelling-System sein, d.h. ein Programm, in dem aufbauend auf Plänen und Gewohnheiten von Charakteren (Agenten) Geschichten in einer virtuellen 3D-Welt erzählt werden können. Im Prototyp sollen diese intelligenten Agenten miteinander und mit dem Nutzer in einer natürlichen Art und Weise unter Ausnutzung möglichst vieler Modalitäten (z.B. Sprache kombiniert mit Gestik) interagieren. In der ersten Hälfte des Projektes im WiSe 2002/03 wurde die Einarbeitung in die theoretischen Grundlagen multimodaler Interaktion (z.B. Dialog-, Mimik- und Gestenverarbeitung) sowie des Virtual-Storytelling geleistet. In der zweiten Hälfte des Projektes in diesem Semester sollen nun die jeweiligen Module des Gesamtsystems zum Virtual-Storytelling erstellt und ausgetestet werden.
 08.07.2003 
  Frank Schilder
Beschreibungslogiken für räumliche Informationssysteme
  Dieser Vortrag beschäftigt sich mit der automatischen Annotation von Zeit- und Ereignisausdrücken in Zeitungstexten. Aufbauend auf einem "temporal tagger" (Schilder& Habel, 2001) werden Erweiterungen insbesondere im Hinblick auf eine Anwendung im Bereich des "temporal question answering" vorgestellt. Beim "temporal question answering" handelt es sich um die automatische Extraktion von Antworten aus Dokumenten zur Beantwortung von Fragen mit zeitlichem Inhalt: "Wann war die letzte Bundestagswahl?", "Welche Ereignisse vor der Wahl beinflussten das Ergebnis?" oder "Wann findet die nächste Bundestagswahl statt?"
 15.07.2003 
  Carola Eschenbach, Christopher Habel, Jan Helwich, Mareile Knees, Hedda Schmidtke, Ladina Tschander
Der Geometrische Agent
   Routenbeschreibungen sind natürlichsprachliche Texte, die einem Instruierten dazu dienen sollen, einen ihm bislang unbekannten Weg von einem Ausgangspunkt zu einem Ziel zu finden. Sie enthalten unterschiedliche Informationseinheiten wie Beschreibungen der Umgebung (insbesondere räumliche Konstellationen von Landmarken und Wegen), Instruktionen bzgl. auszuführender Handlungen (insbesondere zur Fortbewegung und Richtungsänderung) und Orientierungshilfen, die insbesondere die Sichtbarkeit von Landmarken von bestimmten Positionen auf dem Weg betreffen. Zur Nutzung von Routenbeschreibungen bei der Navigation muss der Navigator den Text interpretieren und ihn mit seinen Wahrnehmungen abgleichen können, um die vorgeschlagenen Aktionen am richtigen Ort ausführen zu können. Der Geometrische Agent ist eine am Arbeitsbereich WSV konzipierte Simulationsumgebung, in der die unterschiedlichen Fähigkeiten für die instruierte Navigation modelliert werden können. Der Schwerpunkt liegt auf dem Sprachverstehen und der Verarbeitung der räumlichen Information, während Sensorik und Aktorik simuliert (und damit idealisiert) werden. Dieser Vortrag behandelt die grundlegende Konzeption und den gegenwärtigen Stand der Implementation des Geometrischen Agenten. Dabei werden auch Erweiterungsmöglichkeiten und Anschlussmöglichkeiten von Diplomarbeiten in den Themenbereichen Wissensrepräsentation und Sprachverarbeitung thematisiert.

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letzte Änderung am Thu Jul 10 12:38:25 CEST 2003