Arbeitsbereich WSVFachbereich InformatikUniversität Hamburg
18.479 Oberseminar: Wissens- und Sprachverarbeitung
Veranstalter
Christopher Habel
Carola Eschenbach
Hedda Schmidtke
Zeit/Ort
Di 16-18 F-535
Inhalt
Vorträge über Vorhaben und Ergebnisse von Studien- und Diplomarbeiten, laufenden Dissertationen und Drittmittelprojekten sowie von anderen Forschungsarbeiten aus dem Bereich der Wissens- und Sprachverarbeitung. Insbesondere wird der interdisziplinäre Charakter des Forschungsschwerpunktes berücksichtigt, d.h. die Integration von Ansätzen der Informatik, Linguistik, Logik und Psychologie steht im Vordergrund der Arbeiten.
Aktuelles
Das Oberseminar findet in diesem Semester im 2-wöchigen Rhythmus statt.
Termine
13.04.2004Tobias Bosch
Vortrag zur Diplomarbeit:"Bestimmung von Position und Sicht des imaginären Wanderers in Routenbeschreibungen"
Routenbeschreibungen sind spezielle natürlich-sprachliche Texte, die anhand von Landmarken und Instruktionen beschreiben, wie man innerhalb einer Umgebung von einem Start- zu einem Zielpunkt gelangt. Dabei sind die einzelnen Sätze in Routenbeschreibungen aus der Perspektive eines Wanderers gemacht ("imaginärer Wanderer", der nach und nach der Route folgt. Die Sätze beschreiben Teile der Umgebung der Route als auch nötige Reorientierungen.
Um eine Routenbeschreibung, bevor man sie ausführt, zu bewerten (z.B. um Nachfragen stellen zu können), gibt es viele verschiedene Kriterien. Dazu gehört u.a. die Erkennbarkeit der Reorientierungspunkte der Routenbeschreibung. Diese ist von dem abhängig, was man kurz vor und im Reorientierungspunkt sehen kann. Es ist also nötig zu bestimmen, was die Routenbeschreibungen darüber aussagen, was der Wanderer an welchen Positionen wahrnimmt. Eine spezielle Art der Positionsangabe ist die sog "Enthaltensein-Position" Diese gibt an, in welchen Entitäten (sog. "Containern") eine bestimmte Entität enthalten ist. Es wurde dabei eine spezielle Art von Containern identifiziert ("stark begrenzte Container"), die starken Einfluss auf die Sichtbarkeit von Dingen hat.
In Routenbeschreibungen gibt es drei spezielle Arten von Sätzen, die explizit etwas über die Position und Sicht des imaginären Wanderers aussagen: Positionierungsaussagen lokalisieren Entitäten relativ zu anderen, Bewegungsaussagen beschreiben eine Bewegung des imaginären Wanderers und Sichtaussagen beschreiben durch ein Verb des Sehens die Sichtbarkeit von Entitäten. Außer ihrer offensichtlichen Bedeutung für die Position und Sicht wurde für jede dieser drei Arten von Sätzen festgestellt, dass sie weitere Aussagen über Position, Enthaltensein-Position und Sicht machen. Dadurch konnten auch allgemeine Zusammenhänge in der Bedeutung dieser drei Arten von Sätzen identifiziert werden.
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27.04.2004Özgür Özcep
Zirkularitätsverbot und zirkuläre Definitionen
Definitionen spielen in den verschiedensten wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Zusammenhängen eine wichtige Rolle. So verschieden die Kontexte sind, in denen Definitionen eine Anwendung finden, so verschieden sind auch die Meinungen darüber, was eine Definition ausmacht. Trotz dieser Divergenzen scheint es eine fest verwurzelte Intuition dahingehend zu geben, was in einer Definition nicht gelten darf: sie darf nicht zirkulär sein. Dieses Zirkularitätsverbot besagt, dass dasjenige, was definiert werden soll, in dem Ausdruck, mit dem definiert wird, nicht vorkommen darf. Die Existenz und der Gebrauch von rekursiven Definitionen lehrt uns, dass das derartig formulierte Zirkularitätsverbot zu explizieren ist, wenn es dieses zu rechtfertigen gilt: "Was ist es, was definiert werden soll: Gegenstände, Konzepte oder Ausdrücke? Was heißt es, das dasjenige, das definiert werden soll, im definierenden Ausdruck nicht "vorkommen" darf?" usw. Im Vortrag wird versucht werden, eine Konkretisierung des Zirkularitätsverbots und die Explikation der hinter ihm liegenden Intuitionen vorzunehmen. Anschließend wird eine mathematisch logische Theorie der Definitionen vorgestellt, die radikal mit dem klassischen Zirkularitätsverbot bricht. In dieser auf Nuel Belnap und Anil Gupta zurückgehenden "Revisionstheorie der Definition" wird die Idee einer ständigen Revision des Umfangs vom zu definierenden Ausdruck verfolgt. Neben der Darstellung und kritischen Würdigung dieser Theorie wird auch die Anwendung auf den Wahrheitsbegriff vorgestellt, die in einer interessanten Erklärung des berühmten Paradoxons vom Lügner (Ist der Satz "Dieser Satz ist falsch" wahr oder falsch?) mündet.
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11.05.2004TeilnehmerInnen des Projektes zu Routenbeschreibungen
Routeninstruktionen mit Sprache und Skizzen
Routenbeschreibungen sind natürlichsprachliche Texte, die einem Instruierten dazu dienen sollen, einen ihm bislang unbekannten Weg von einem Ausgangspunkt zu einem Ziel zu finden. Sie enthalten unterschiedliche Informationseinheiten wie Beschreibungen der Umgebung (räumliche Konstellationen von Landmarken und Wegen), Instruktionen bzgl. auszuführender Handlungen (Fortbewegung und Richtungsänderung) und Aussagen zur Sichtbarkeit von Landmarken. Neben sprachlichen Beschreibungen können auch Routenskizzen als Routeninstruktionen dienen. Diese Skizzen müssen entsprechend Symbole für Landmarken und Wege enthalten, aber auch Markierungen, die Start, Ziel und Routenverlauf spezifizieren.
Der Geometrische Agent ist eine am Arbeitsbereich WSV konzipierte Simulationsumgebung, in der die unterschied-lichen Fähigkeiten für die instruierte Navigation modelliert werden können. Im Kontext dieses Ansatzes werden im Hauptstudiumsprojekt "Routeninstruktionen mit Sprache und Skizzen", das über zwei Semester läuft, einige der erforderlichen Fähigkeiten für die Interpretation und Umsetzung von Routeninstruktionen untersucht und im Rahmen der Simulation implementiert.
1. Am Beispiel von Ein-/und Ausgängen wird untersucht, welches Wissen erforderlich ist, um im Text oder auf der Skizze vorhandene Landmarkeninformation in der Navigation umzusetzen. (Was sind die charakteristischen Merk-male, an denen wir Ein-/Ausgänge erkennen? Worin unter-scheiden sich verschiedene Typen von Eingängen (Haupt-/Lieferanten-Eingang)?
2. In den Routenbeschreibungen werden einige auszu-führende Aktionen explizit genannt, andere nicht. Einige werden explizit zeitlich angeordnet, andere nicht. Bei einigen wird explizit gesagt, wodurch sie beendet wird, bei anderen nicht. In Bezug auf die sprachlichen Beschreibungen wird daher untersucht, welche sprachlichen Hinweise und welches Hintergrundwissen verwendet werden, um aus den explizit gegebenen Informationen insgesamt die auszu-führende Handlungssequenz zu erschließen.
3. Die Nutzung von Skizzen für Routeninstruktionen stellt für den Rahmen des GA eine neue Herausforderung dar. Im Rahmen des Projektes wird ein einfaches Toolkit für die Erstellung von Routenskizzen entwickelt und implementiert. Routenskizzen können damit interaktiv eingegeben werden, sie werden auf Stimmigkeit (Konsistenz und Vollständigkeit) geprüft und die daraus gewonnene Instruktion in das interne Repräsentationsformat des GA überführt.
In diesem Vortrag wird ein Zwischenstand der Projekt-arbeiten vor- und zur Diskussion gestellt.
15.06.2004Ronald Winnemöller
TSR Trees - ein konstruktiver Ansatz zur textuellen Bedeutungsrepräsentation
"TSR Trees" ist ein neuartiger Ansatz, textuelle Einheiten (Wörter, Sätze, Textfragmente oder komplette Texte, etc.) eindeutig auf baumartige Strukturen abzubilden. Sie repräsentieren einen abstrakten aber pragmatischen Begriff der Bedeutung von Texten. TSR Trees können in vielen grundlegenden textverarbeitenden Anwendungen eingesetzt werden, z.B. beim automatischen Zusammenfassen oder Klassifizieren von Texten.
29.06.2004Sven Heinsen (FB Psychologie)
Analyse von Bewegungs- und Orientierungsdaten zur Vorhersage von Erlebens- und Verhaltensvariablen bei Wayfinding-Aufgaben
Navigation, Orientierung - das Finden von Wegen - gehören zu den elementaren Aufgaben unseres Alltags. Lässt sich in diesen Szenarien auf der Basis von Verhaltensdaten vorhersagen, ob ein Individuum ängstlich, desorientiert, zielstrebig oder zufrieden ist? Kann auf dieser Basis Verhalten vorhergesagt werden? Erkenntnisse dieser Art könnten bspw. bei der Optimierung öffentlicher Räume von großem Nutzen sein. Bisher wurden für die Analyse der Raumnutzung entweder punktuelle Bewegungsmessungen (Lichtschranke) oder Verhaltensbeobachtungen eingesetzt. Individuelle Bewegungs- und Orientierungsdaten wurden dabei weniger berücksichtigt. Der Vortrag beschäftigt sich mit der Nutzung dieser Daten zur Vorhersage eines breiten Spektrums an Verhaltens- und Erlebensvariablen. Im konkreten Anwendungsfall wird versucht, subjektives Erleben in Wayfinding-Situationen vorherzusagen. In einer qualitativen Vorstudie (Repertory-Grid-Interviews) wurden dazu entsprechende Erlebenskategorien herausgearbeitet. Zusätzlich wurden virtuelle 3D-Räume erstellt, um dort Erlebenszustände (bspw. Desorientierung, Zeitdruck oder Erleichterung) zu evozieren und Bewegungs- und Orientierungsdaten aufzuzeichnen. Mit den generierten Daten sollen Modelle zur Vorhersage dieser Zustände entwickelt werden.
13.07.2004Yannick Versley
Tagging kausaler Relationen
In der jüngeren Vergangenheit hat man sich in der Computerlinguistik zunehmend der Verarbeitung von unrestringiertem Text zugewandt, auch in der Hoffnung, verfügbare große Mengen an Texten (etwa im Internet, aber auch in Zeitungsarchiven, Patientenakten etc.) für bestimmte Aufgaben effektiver zu nutzen. Für die Kodierung der zeitlichen Information in Texten hat sich die Beschreibungssprache TimeML als Standard herausgebildet; Systeme, die etwa Nachrichtentexte mit diesen Angaben annotieren, sind gegenwärtig in der Entwicklung. Gegenstand der Diplomarbeit, aus der hier vorgetragen werden soll, ist die Frage, ob sich kausale Zusammenhänge zwischen den in einem Text erwähnten Ereignissen sowie verwandte Arten von Information auf solche oder ähnliche Weise kodieren und/oder automatisch annotieren lassen.
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