Arbeitsbereich WSVFachbereich InformatikUniversität Hamburg
18.479 Oberseminar: Wissens- und Sprachverarbeitung
Veranstalter
Christopher Habel
Carola Eschenbach
Hedda Schmidtke
Özgür Özçep
Zeit/Ort
Di 16-18 F-535 Beginn 26.10.04
Inhalt
Vorträge über Vorhaben und Ergebnisse von Studien- und Diplomarbeiten, laufenden Dissertationen und Drittmittelprojekten sowie von anderen Forschungsarbeiten aus dem Bereich der Wissens- und Sprachverarbeitung. Insbesondere wird der interdisziplinäre Charakter des Forschungsschwerpunktes berücksichtigt, d.h. die Integration von Ansätzen der Informatik, Linguistik, Logik und Psychologie steht im Vordergrund der Arbeiten.
Aktuelles
Das Oberseminar findet im 2-wöchigen Rhythmus statt.
Termine
26.10.2004Hedda Schmidtke
Eigenschaften granularitätsabhängiger räumlicher und zeitlicher Relationen
Granularitätsmechanismen sind Mechanismen, mit deren Hilfe sich komplexe Strukturen auf einfachere abbilden lassen. Die für eine Aufgabe angemessene Granularität fungiert dabei als Kontext-Parameter durch den berechnet werden kann, welche Aspekte einer Struktur als unnötige Details vernachlässigt werden können. Common-Sense-Konzepte beinhalten häufig granularitätsabhängige Bedeutungsaspekte, die ihre Verarbeitung mit einem Granularitätsmechanismus ermöglichen. Im Vortrag werden granularitätsabhängige Erweiterungen grundlegender mereotopologischer Relationen wie z.B. Überlappung, Teil und Kontakt vorgestellt und diskutiert. Die grundlegenden Entitäten -- Punkte und (einfache) Regionen -- werden um zusätzliche granulare Entitäten erweitert: uni-granulare Basisentitäten können genau einer Granularität zugeordnet werden; multi-granulare Regionen stellen die exakten (u.U. nur annäherungsweise repräsentierbaren) Lokationen realer räumlicher oder zeitlicher Entitäten dar.
09.11.2004Mareile Knees
Zur Verbalisierung von Ereignisabfolgen
Bei verbalen Beschreibungen der zeitlichen Konstellation von Ereignissen spielt die konzeptuelle Relation "Abfolge" eine wesentliche Rolle. Wir sind im Rahmen des DFG-Projekts "Konzeptualisierungsprozesse in der Sprachproduktion" der Frage nachgegangen, wie die zeitliche Abfolge mehrerer aufeinanderfolgender Situationen am besten verbalisiert werden kann. Mit linguistischen Mitteln kann eine Abfolge-Relation sowohl mit der Konjunktion "nachdem" als auch mit den Adverbien "danach" oder "dann" ausgedrückt werden. Für die richtige Verwendung dieser Konnektoren müssen jedoch die unterschiedlichen Typen der Situationen (z.B. Zustände oder Ereignisse) berücksichtigt werden. In diesem Vortrag wird eine detaillierte Analyse der oben genannten Konnektoren vorgeführt und es werden temporale Konzepte vorgeschlagen, die auf die unterschiedlichen Situationstypen eingehen und die den geringfügigen Unterschieden dieser Konnektoren gerecht werden. Auf der Ebene der Sprachproduktion werden Bedingungen formuliert, die das Zusammenspiel von Konzeptualisierer und Formulator bestimmen.
23.11.2004Özgür Özçep
Belief-Revision und Vagheit
Die Belief-Revision beschäftigt sich mit der Repräsentation von Meinungssystemen und der Charakterisierung von Operationen, die die Änderung des Meinungssystems durch Einfügen oder Entfernen einer Meinung beschreiben. Meinungen mit vagen Ausdrücken stellen eine besondere Herausforderung für einfache Konzeptionen der Belief-Revision dar: Wann kann man sagen, dass vage Meinungen tatsächlich akzeptiert und damit als dem Meinungssystem zugehörig zu verstehen sind? Wann sind vage Meinungen als inkonsistent/inkohärent anzusehen? Im Vortrag werden Möglichkeiten angesprochen, Vagheit im Rahmen der Belief-Revision zu behandeln: Welche Erweiterungen an Standardtheorien der Belief-Revision erzwingt die Einbeziehung vager Meinungen? Welche Kombination von Vagheitstheorien mit Theorien der Belief-Revision sind möglich? Zudem werden Möglichkeiten aufgezeigt, unter denen ein Nützlichkeitsvergleich vager Sprache mit nicht-vager Sprache im Rahmen der Belief-Revision erfolgen könnte.