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Ihr Sohn sitzt auf dem Dach oder, mein Freund, der Mond

Schon in der zweiten Klasse wollte ich Astronom werden. Ich sah zu den Sternen, wenn immer es möglich war. Besonders liebte ich die Plejaden. Meine Augen sahen scharf, und ich zählte dort statt der sieben, die der deutsche Name des Sternbildes „Siebengestirn“ nahelegt, vierzehn helle Punkte.
Auch der Andromedanebel hatte es mir angetan. Ich träumte zu ihm hinauf, bis mir der Nacken wehtat.
Eines Abends kletterte ich auf das Dach. Ich stieg aus dem Dachfenster und zog mich vorsichtig bis auf den First des Hauses. Darauf setzte ich mich wie ein Reiter.
Oja, wenn ich jetzt in den Himmel reiten könnte, der in einem blassen Hellblau leuchtete.
Die Mondsichel stand dort und ein heller Planet in ihrer Nähe.
Lange saß ich und schaute, als ich Schritte unter mir auf den Holzdielen des Bodens hörte. Ich sah den Kopf meiner Mutter im Fenster. Sie blickte zu mir hinauf und rief ängstlich: „Komm sofort runter!“ Zu Ende ging mein Zwiegespräch mit dem Mond. Obwohl ich mehrfach versicherte, dass überhaupt keine Gefahr bestünde und ich von diesem Platz aus besonders gut gucken könne, bestand sie auf ihrem Wunsch. Als ich sie fragte, wie sie mich hier oben gefunden habe, erzählte sie, dass eine Frau aus einem gegenüberliegenden Haus geklingelt habe, um ihr mitzuteilen: „Ihr Sohn sitzt auf dem Dach!“